Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Zum Gedenken an Kurfürst Moritz von Sachsen



 
 

 

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Kurfürst Moritz von Sachsen 1521-1553
Gemälde von Lucas Cranach d. J.

Am 20. Juli 2003 wurde des 450. Todestages von Kurfürst Moritz von Sachsen in Sievershausen bei Hannover gedacht. Die aus diesem Anlaß durchgeführte Veranstaltung hing damit zusammen, daß sich Kurfürst Moritz den Plünderzügen des Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach mit seiner Infanterie bei Sievershausen entgegenstellte. Dabei kam es zu einem mörderischen und für beide Seiten verlustreichen Kampf, der mit damals äußerst modernen Waffen in Form unserer heutigen Revolver ausgetragen wurde. Die Kugeln konnten aus nächster Nähe abgefeuert werden und verursachten schwere und vielfach tödliche Verwundungen. Ein derartiges Geschoß traf auch den Kurfürsten und führte in der Schlacht von Sievershausen zu seinem frühzeitigen Tod, auch wenn die Schlacht selbst für Kursachsen und dessen Bundesgenossen siegreich ausging. Damit endete schon in verhältnismäßig jungen Jahren das Leben dieses bedeutenden Albertinischen Wettiners der Reformationszeit.

So kann es durchaus begrüßt werden, daß in Sievershausen - heute ein Stadteil von Lehrte bei Hannover - an diesen wichtigen Vertreter des Hauses Wettin-Albertinische Linie in besonderer Weise gedacht wurde. Die Vertreter des Dorfes Sievershausen unter Federführung des Ortsbürgermeisters Hans Egon Seffers und der Arbeitskreis für Ortgeschichte hatten für diese eindrucksvolle Gedenkfeier ein gut durchdachtes Programm erarbeitet, das zugleich hervorragend organisiert war.

Als Ehrengäste konnten meine Frau, Prinzessin Elmira, und ich selbst als Vertreter der Albertiner in Sievershausen teilnehmen. Wir waren dazu eigens aus München angereist und nutzten den Vorabend, um mit unserem Gastgeber und seinen Mitarbeitern vom Arbeitskreis für Ortsgeschichte erstmals zusammenzutreffen. Bei einem gemeinsamen Abendessen im "Hotel Fricke" konnten erste Kontakte zwischen beiden Seiten aufgenommen werden.

Am Sonntag, dem 20. Juli 2003, fand dann die eigentliche festliche Gedenkveranstaltung statt. Diese begann mit einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt, das für die zahlreich erwartenden Teilnehmer (es waren schließlich etwa 2.500) aufgestellt wurde. Die von der zuständigen Ortspastorin gehaltene Predigt erinnerte an das bedeutsame historische Ereignis und brachte Gedankengänge, die auch in unserer heutigen Zeit als aktuell erscheinen. Im Anschluß daran bestand bei einem gemeinsamen Mittagessen mit Erbsensuppe und Würstchen reichlich Gelegenheit zu interessanten Begegnungen und Gesprächen, die in freundschaftlicher Weise geführt wurden. Für uns war es besonders wichtig, daß dabei auch weitergehende freundschaftliche Verbindungen angebahnt werden konnten.

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T-Shirt mit einer Dar-stellung des Gedenk-steins für Kurfürst Moritz

Kurz vor 13 Uhr ging es dann per Auto zum Versammlungsplatz für alle Teilnehmer des Festzuges, an dem wir gemeinsam mit einem Schützenfreund aus Riesa und einem Vetter meiner Frau in einer historischen Festkutsche mitfahren durften. Zu diesem festlichen Anlaß brachten die zahlreichen Mitwirkenden bunt geschmückte Wagen und Fahnen mit. Desgleichen waren mehrere Spielmannszüge und Musikkapellen beteiligt. Auch die Fußgänger trugen bunte Kleider oder Uniformen, die diesem Festzug entsprachen. Auch nahmen daran größere Abordnungen von Schützenvereinigungen aus Sachsen und Niedersachsen teil. Mit ihren schmucken Uniformen und traditionsreichen Fahnen entsprachen sie diesem festlichen Zug.

Den Höhepunkt bildete das Gedenken an den Kurfürsten Moritz an dessen Denkmal im Ortsfriedhof. Dabei konnte ich - ähnlich wie mein verehrter Vater Prinz Friedrich Christian Markgraf von Meißen Herzog zu Sachsen im Jahre 1953 - Worte der Erinnerung für unseren großen Vorfahren sprechen. Diese können wie folgt zusammengefaßt werden:

1. Kurfürst Moritz war nicht nur ein bedeutsamer Militärführer, sondern auch ein ebenso wichtiger Politiker. Dessen Bestreben war es, Sachsen von einem verhältnismäßig unbedeutenden deutschen Mittelstaat zu einer Großmacht emporzuführen. Nur auf dieser Basis konnte beispielsweise August der Starke im 18. Jh. die Personalunion mit dem Königreich Polen begründen.

2. Kurfürst Moritz war auch ein ausgesprochen großzügiger Förderer der künstlerischen Bestrebungen, wovon auch der Bau des Jagdschlosses Moritzburg bei Dresden beredtes Zeugnis ablegt, ist doch sein Name "Moritz" noch heute mit diesem unter August dem Starken völlig umgestalteten Barockbau eng verbunden.

3. Kurfürst Moritz förderte auch das Musikleben in seinem Kurfürstentum Sachsen. So geht auf ihn die noch heute bestehende "Dresdner Staatskapelle" zurück; diese hieß damals allerdings noch "Hofkapelle". Von dieser Gründung gingen auch Initialzündungen für den ebenfalls weltberühmten "Dresdner Kreuzchor" aus.

4. Kurfürst Moritz förderte auch die Volkswirtschaft seines Landes. Dies bewies vor allem der Bergbau des Erzgebirges, dem er in seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik großes Augenmerk zuwandte.

5. Daraus ergab sich auch eine große Liebe des Kurfürsten zu seiner sächsischen Heimat, speziell dem Erzgebirge, dem er seit seiner Geburt eng verbunden war. Dies bewies außerdem, daß die Bergbaustadt Freiberg nicht nur sein Geburtsort war, sondern er auch im Dom von Freiberg seine letzte Ruhestätte in einem historisch und kunstgeschichtlich einmaligen Grabmal fand.

Im Anschluß an dieses Gedenken begaben wir uns zurück zu unserer wunderschön mit Blumen geschmückten weißen Kutsche mit zwei Schimmeln. Der Festzug ging nun zurück zum Festzelt, wo noch zwei wissenschaftliche Vorträge gehalten wurden. Ein in unmittelbarer Nähe von Halle/Saale beheimateter Religionshistoriker beleuchtete nochmals die Bedeutung des Kurfürsten Moritz und seiner Zeit in religiöser Hinsicht. Er beendete seine Ausführungen mit grundlegenden Betrachtungen zu unserer gegenwärtigen weltanschaulich-politischen Situation. Abschließend sprach Frau Gisela Schulz vom "Arbeitskreis Ortsgeschichte" zur Erinnerungskultur quer durch die Jahrhunderte. Dabei erwähnte sie auch die Teilnahme und Mitwirkung meines Vaters Prinz Friedrich Christian, sowie die Anwesenheit meines Bruders Emanuel und meiner ältesten Schwester Maria Josepha vor 50 Jahren. Von meinem Vater besitze ich noch heute eine Schrift mit dem Wortlaut seines instruktiven Vortrages über Kurfürst Moritz, der auch auf diesen Seiten erschienen ist.

im Kontext

Vortrag SKH Prinz Friedrich Christian von Sachsen Markgraf von Meißen aus Anlaß der 400. Wiederkehr der Schlacht von Sievershausen am 9. Juli 1953.

Bericht in der Peiner Allgemeinen Zeitung zum Besuch IKHH in Sievershausen

Am Abend besuchten meine Frau und ich noch die kleine, aber sehr sehenswerte Ausstellung zu Ehren des Kurfürsten im Museum von Sievershausen, sowie die historisch beeindruckende alte St. Martins-Kirche, wo ein Originalbild der "Schlacht von Sievershausen" zu sehen ist.

Ein gemeinsames Abendessen mit den wichtigsten Initiatoren der Gedenkveranstaltung im "Hotel Fricke" beendete diesen festlichen Tag, der noch am 21. Juli durch einen Besuch der sehenswerten Ausstellung für Moritz im Braunschweiger Landesmuseum ergänzt werden konnte. Vor einigen Tagen erhielten wir nachträglich den äußerst lesenswerten Katalog mit interessanten Beiträgen zur sächsischen und niedersächsischen Landesgeschichte.

Zusammenfassend darf gesagt werden, daß es sich bei dieser eindrucksvollen Gedenkfeier für Kurfürst Moritz von Sachsen um ein hervorragend organisiertes Treffen handelte. Auch wenn das Wetter es mit uns besonders gut gemeint hat, darf dennoch erwähnt werden, daß wir an diesen 20./2l. Juli - klimatisch gesehen - die wohl heißeste historische Feier unseres bisherigen Daseins erlebt haben. Wir wollen nochmals der Stadt Lehrte, dem Ortsbürgermeister Hans Egon Seffers, seiner Gemahlin, sowie dem Arbeitskreis für Ortsgeschichte unter Vorsitz von Frau Gisela Schulz herzlich danken. Dies gilt auch für unseren Hotelier, Herrn Fricke, und Frau, die uns liebevoll in ihrem Hotel aufgenommen und damit schöne Stunden in Sievershausen beschert haben. Unser Dank gilt auch unseren Schützen aus Sachsen und Niedersachsen, sowie der Schwerterbrauerei Meißen, die wesentlich zum Erfolg dieser festlichen Veranstaltung beitrugen. Für uns als Wettiner und als Nachkommen des Kurfürsten Moritz bleiben diese Tage des Gedenkens an einen großen Vertreter des Hauses Wettin-Albertinische Linie unvergessen.

München-Sievershausen, im Juli 2003

 

 

 
 

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Elmira Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen

 
     
 

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