Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Prinzessin Elisabeth Helene von Sachsen, Herzogin zu Sachsen, Markgräfin von Meißen, geb. Prinzessin von Thurn und Taxis



 
 

* 15. 12. 1903 in Regensburg, Schloß St. Emmeram
† 22.10.1976 in München
16. 6. 1923 in Regensburg, PRINZ FRIEDRICH CHRISTIAN von Sachsen, Herzog zu Sachsen, Markgraf von Meißen
Grabstätte: Königskapelle Imst/Brennbüchel in Nordtirol
Nachkommen: siehe Lebensbild Prinz Friedrich Christian von Sachsen

Die engste Vertraute des Prinzen Friedrich Christian von Sachsen war seine Gemahlin Elisabeth Helene. Sie wurde am 15. Dezember 1903 in Regensburg als einzige Tochter des Fürsten Albert von Thurn und Taxis und der Erzherzogin Margarethe von Österreich geboren. Seit 16. Juni 1923 war sie mit dem zweiten Sohn des volkstümlichen Königs Friedrich August III. von Sachsen, dem Prinzen Friedrich Christian, verheiratet. Die Hochzeit fand im Beisein des Königs, der königlichen Familie und vieler Verwandter aus den Häusern Habsburg, Hohenzollern und Wittelsbach statt. Die Trauung nahm der als Theologe in Freiburg/Schweiz tätige Onkel des Bräutigams und Universitätsprofessor Dr. Maximilian Prinz von Sachsen unter Assistenz der Bischöfe von Regensburg und Meißen vor.

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß der älteste Sohn des Markgrafenpaares Prinz Maria Emanuel von Sachsen am 31. Januar 1926 im fürstlichen Schloß Prüfening bei Regensburg geboren wurde. Auch der zweite Sohn Prinz Albert von Sachsen ist mit Regensburg und dem Haus Thurn und Taxis deswegen eng verbunden, weil sein Taufpate der noch heute unvergessene Fürst Albert von Thurn und Taxis war. Dessen Pate, König Albert von Sachsen, repräsentierte als sächsischer Herrscher und Reichsfeldmarschall von 1873 bis 1902 eine wichtige Periode der sächsischen und deutschen Geschichte.

In all den Jahren bis 1945 blieben das Haus Wettin-albertinische Linie und das Haus Thurn und Taxis eng verbunden; der Krieg zerstörte neben den ideellen Werten auch den bescheidenen Restbesitz, der den Wettinern nach 1918 verblieben war.

Als im Frühjahr 1945 nach den verheerenden Bombenangriffen auf Dresden die russische Front sich bedrohlich näherte, entschloß sich die markgräfliche Familie gegen den Widerstand von Elisabeth Helene zur sofortigen Flucht nach dem Westen. Es blieb nicht viel Zeit, die markgräfliche Familie konnte somit nur das Notwendigste mitnehmen.

Mit Hilfe des deutschen Militärs, welches das Haus Wachwitz oberhalb von Dresden besetzte, konnte das Markgrafenpaar mit seinen beiden älteren Töchtern und wenigen Begleitern den letzten durchgehenden Zug vom Vorortbahnhof Dresden-Plauen nach Hof erreichen. Von da ging es weiter nach Regensburg, wo die sächsischen Flüchtlinge zunächst bei Fürst Albert und Fürstin Margarethe Aufnahme fanden.

Da aber die ungarischen Verwandten des Fürstenpaares ebenfalls Regensburg und das fürstliche Schloß zum Zufluchtsort gewählt hatten, entschloß sich das markgräfliche Paar, weiter nach Bregenz in Vorarlberg zu reisen. Dort lebten bereits seit 1940 die beiden jüngsten Kinder Mathilde und Albert mit ihrer ehemaligen Kinderschwester Maria Schwimmer und besuchten dort auch die Schulen. Die beiden Kinder bewohnten in Bregenz eine verhältnismäßig kleine Mietwohnung in der Belruptstraße 38; dorthin kamen auch Markgraf Friedrich Christian und Markgräfin Elisabeth Helene mit ihren beiden älteren Töchtern Maria Josepha und Maria Anna. Hier erlebten sie auch das Kriegsende. Nach einem Bombenangriff und schwerem Artilleriebeschuß wurde Bregenz am 1. Mai 1945 durch die französische Armee besetzt und damit Bestandteil der neugebildeten französischen Besatzungszone Österreichs.

In unmittelbarer Nähe der Bregenzer Wohnung befand sich damals die russische Militärmission bei der französischen Besatzungsmacht. Eines Tages kam ein russischer Major und überbrachte einige Bücher und Familienerinnerungen: "Ich habe kürzlich in Dresden übernachtet und fand in einer Schreibtischschublade diese Bücher und Andenken. Als ich den Namen las, dachte ich, das ist ja die Dame aus dem Nachbarhaus in Bregenz." Für die Markgräfin Elisabeth Helene eine wehmütige Erinnerung: Es waren Bücher, wie sie Mütter über ihre Kinder führen; es war aber auch der Beweis dafür, daß Haus Wachwitz ein Hotel für russische Militärpersonen und devisenkräftige Unternehmer geworden war.

Die aus Dresden mit nach Bregenz gekommenen wenigen Mitarbeiter verließen allmählich ihre bisherigen Herrschaften, da sie nicht mehr bezahlt werden konnten. Nur die getreue Kinderschwester Maria Schwimmer blieb, führte den Haushalt und half sogar mit, die notwendigen Gelder zu verdienen, um die weitere Existenz der wettinischen Flüchtlinge in Bregenz zu sichern.

In diesem Zusammenhang ist aber auch noch anzuführen, daß Elisabeth Helene in jener schweren Nachkriegszeit einen Teil ihres aus Dresden geretteten Familienschmucks vielfach weit unter dem Preis veräußern mußte, um die für das Leben notwendigen Geld- und Nahrungsmittel zu besorgen bzw. zu tauschen. Das galt besonders für die Zeit, als ihre beiden ältesten Töchter zur weiteren Ausbildung in die Schweiz und später auch nach Frankreich zogen.

Markgräfin Elisabeth Helene befand sich damals in keiner beneidenswerten Lage. Nachdem ihre älteren Töchter in die Schweiz gezogen waren, ihr Gemahl Friedrich Christian in Westfalen und dann in Schloß Altshausen bei Saulgau im südlichen Württemberg lebte, wozu schließlich noch München als Wohnsitz ihres ältesten Sohnes Maria Emanuel und später auch der beiden genannten älteren Töchter kam, pendelte sie zwischen diesen weit entfernten Orten hin und her. Bei dieser Gelegenheit muß besonders auf die tatkräftige Hilfe des 1975 verstorbenen Herzogs Philipp von Württemberg verwiesen werden; er nahm nicht nur Markgraf Friedrich Christian und zeitweise den Prinzen Maria Emanuel bei sich auf, sondern lud auch den übrigen Teil der Familie mehrfach in sein malerisches Schloß Altshausen ein und ermöglichte allen Kindern fast regelmäßig ein längeres Zusammensein mit den Eltern. Ähnlich positiv war auch die Hilfebereitschaft des 1990 verstorbenen Fürsten Franz Joseph von und zu Liechtenstein, der mehrfach zu Besuchen nach Vaduz einlud und wiederholt nach Bregenz kam. Besonders beachtlich erwies sich ferner die Hilfe eines damals in der schweizerischen Grenzgemeinde St. Margarethen lebenden Architektenehepaares. Dieses lud die Familie mehrfach zu Besuchen ein und versorgte sie immer wieder in reichlicher Weise mit Geld, Lebensmitteln oder Kleidungsstücken. Von dieser Zeit an bestand eine enge Freundschaft zwischen diesem schweizerischen Ehepaar und der markgräflichen Familie, die bis zum Tod der Freunde andauerte.

Der Zustand der familiären Trennung wurde endlich im Herbst 1955 beendet. Durch die großzügige Unterstützung des fürstlichen Hauses Thurn und Taxis erhielt die markgräfliche Familie die Möglichkeit, ein Haus im Stadtteil München-Harlaching zu beziehen. Die Zeit bis zum Tod des Prinzen Friedrich Christian am 9. August 1968 benutzte das Markgrafenpaar in erster Linie dazu, mit den im Münchner Raum und darüber hinaus im gesamten Bundesgebiet lebenden sächsischen Landsleuten und deren Vereinigungen in Kontakt zu treten. Enge Wechselbeziehungen bestanden ferner mit dem Richard-Wagner-Verband in München. Die Markgräfin fühlte sich zusätzlich noch mit dem Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein seit ihrer Jugendzeit verbunden. Daher ist es leicht erklärlich, daß sie schon wenige Jahre nach ihrer Heirat der Sektion Dresden des Deutschen Alpenvereins beitrat und während ihrer Bregenzer Zeit noch die Mitgliedschaft des Oesterreichischen Alpenvereins, Sektion Vorarlberg, erwarb.

Während ihrer Ferienaufenthalte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg hielt sie sich vielfach in den Bergregionen des Arlbergs und dem Engadin im schweizerischen Graubünden auf und unternahm zahlreiche Bergwanderungen und Bergbesteigungen. Während ihrer Aufenthalte in St. Anton am Arlberg erlernte sie sogar im Winter das Skifahren.

Überaus reichhaltig erwies sich ihr soziales Wirken. Bis in die letzten Lebensmonate unterstützte Prinzessin Elisabeth Helene regelmäßig die Arbeit der Caritas und die Vorhaben des Malteserordens. Dazu kamen umfangreiche Paketsendungen an Freunde in der auch nach der Flucht für Elisabeth Helene geistig immer gegenwärtigen Heimat Sachsen.

In den letzten Jahren ihres Lebens trat Markgräfin-Mutter Elisabeth Helene wiederholt in den Bereich der Öffentlichkeit. So fand am 16. Juni 1969 zum zehnten Gedenken an den ersten Sachsentag in Hof bei Nentschau (Gemeinde Regnitzlosau) in unmittelbarer Nähe der damals hermetisch abgeriegelten Grenze zu Sachsen eine eindrucksvolle abendliche Kundgebung der Bundeslandsmannschaft Sachsen statt. In deren Rahmen hielt sie eine bemerkenswerte Ansprache und mahnte dabei - unterbrochen von politischen Parolen von jenseits der unglückseligen Trennungslinie - zur Treue an die unvergessene Heimat Sachsen.

Einen Höhepunkt im Leben der von ihr mitbegründeten "Studiengruppe für Sächsische Geschichte und Kultur e. V. München" stellte die Feier des 70. Geburtstages von Elisabeth Helene am 15. Dezember 1973 dar. Diese Festveranstaltung begann mit einem Gottesdienst in der Krypta des Münchner Liebfrauendomes - gehalten von Weihbischof Matthias Defregger - und setzte sich am Nachmittag mit einer kulturellen Veranstaltung im Künstlerhaus München fort. An ihr nahmen neben der Jubilarin zahlreiche Verwandte und Freunde sowie sächsische Landsleute aus ganz Deutschland teil. Das letzte Auftreten der Markgräfin-Mutter Elisabeth Helene war die 15-Jahr-Feier der "Studiengruppe" im Münchener Künstlerhaus am 22. Mai 1976. In ihrer eindrucksvollen kurzen Rede mahnte sie vor allem die anwesenden Sachsen und besonders die eigene Familie zur Geschlossenheit. Schon von Krankheit gezeichnet, konnte Markgräfin Elisabeth Helene nochmals einen Ferienaufenthalt in ihrem geliebten Engadin mit ihrem Sohn Albert und ihrer Tochter Mathilde erleben. Nach der Rückkehr mußte sich Elisabeth Helene in der Chirurgischen Universitätsklinik einer schweren Operation unterziehen; seither blieb sie fortwährend in ärztlicher Behandlung und mußte sogar noch eine zweite Operation über sich ergehen lassen, von deren Folgen sie sich nicht mehr erholte. Sie verstarb am 22. Oktober 1976 und wurde vier Tage später unter großer Beteiligung der Familie, zahlreicher Anverwandter und Vertreter sächsischer Vereinigungen in Imst/Brennbüchel in unmittelbarer Nähe der Königskapelle feierlich unter Mitwirkung der Imster Schützen beigesetzt. Obwohl Markgräfin-Mutter Elisabeth Helene von Meißen nie regierende Königin in Sachsen war, bleibt doch die Erinnerung an diese bedeutsame Vertreterin der Häuser Thurn und Taxis und Wettin-albertinische Linie auch in Zukunft bestehen.

Zu erwähnen ist außerdem, daß die Markgräfin auch kulturell-künstlerisch sehr begabt war. So beschäftigte sie sich ausführlich mit dem Leben des großen italienischen Architekten, Baumeisters und Plastikers Michelangelo und verfaßte ein leider nie veröffentlichtes Lebensbild dieses großen Vertreters europäischer Barockkultur. Offenbar als Erbe ihrer Thurn und Taxisschen Vorfahren war sie zudem eine begabte Malerin, deren Bilder sich zum Teil noch heute im Schloß von Regensburg befinden.

 

Dieser Beitrag wurde der Publikation SKH Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen Die Wettiner in Lebensbildern, Graz-Wien-Köln 1995 (vergriffen; Neuauflage in Vorbereitung) entnommen.

 

 
 

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