Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen Markgraf von Meißen

Europa für Christus - Der Beitrag der Wettiner in der Geschichte



 
 

Grundlagen

Unser Thema ist bedeutsam, weil die 829jährige Herrschaft der Wettiner vorwiegend durch das Christentum geprägt wurden. Dabei war es gleichgültig, ob ihre Vertreter katholisch oder evangelisch waren. Ein typisches Beispiel dafür stellen die beiden Zisterzienserinnenklöster St. Marienthal und St. Marienstern in der sächsischen Oberlausitz dar. Beide Klöster blieben unabhängig von der religiösen Einstellung der Wettiner bestehen und künden vom Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart das Lob Gottes, ist doch der Zisterzienserorden gemeinsam mit den Benediktinern ein Vorläufer der europäischen Einigung und prägte besonders die christlich-abendländische Kultur.

Im Folgenden sollen die wesentlichen Grundlinien betrachtet werden, die für die christliche Haltung dieses Herrscherhauses bedeutsam sind. Dabei handelt es sich um folgende Aspekte:

1. Die Treue zum Kaiserhaus

Wenn wir die Geschichte des Hauses Wettin bedenken, können wir die Beobachtung machen, daß die Wettiner schon vor ihrer Berufung als Regenten in Sachsen und Thüringen ihre Treue zu den verschiedenen Kaiserhäusern des Mittelalters unter Beweis gestellt hatten. Schon als Markgrafen von Meißen, als Hüter einer Grenzregion im Osten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, betrachteten sie sich nicht nur als enge Mitarbeiter des jeweiligen Kaisers, sondern auch als Überbringer des Christentums. Davon legen die Albrechtsburg in Meißen und der Meißner Dom ebenfalls beredtes Zeugnis ab.

Zu bemerken ist noch, daß die römisch-deutschen Kaiser entsprechend ihrer großen Bedeutung eine wichtige Rolle als Diakone der römisch-katholischen Kirche spielten. In der früheren Liturgie des Karfreitag wurde im Zusammenhang mit den Fürbitten vorzugsweise ein eigenes Gebet für den Kaiser in seiner Funktion als Herrscher des Heiligen Reiches gesprochen. Damit wurde vor allem das Haus Habsburg bedacht, das seit Rudolph die meisten Herrscher des Reiches stellten. Er fand seine letzte Ruhestätte in der Krypta des Kaiser-Domes von Speyer in der Rheinpfalz.

Ich selbst konnte diese ehrwürdige Begräbnisstätte mehrfach besuchen und war mehr erstaunt, als ich dieses historisch bedeutsame Denkmal sehen konnte. Erinnerlich ist mir noch, daß mein Vater, Prinz Friedrich Christian von Sachsen Herzog zu Sachsen Markgraf von Meißen, und ich gemeinsam die Kaisergruft in Speyer aufsuchten. Als damaliger Gymnasiast war es für mich ein Eindruck, wie ich diesen kaum zu schildern vermag.

Bedeutsam erschien die Tatsache, daß das Haus Wettin durch die "Goldene Bulle" Kaiser Karls IV. aus dem Hause Luxemburg die Kurwürde 1356 erhielt und damit in den engsten Kreis um das regierende Kaiserhaus einbezogen wurde. Fortan konnten die Wettiner, die durch den Sohn Karls, Kaiser Sigismund, diese Würde erblich erhielten, sie bis zum Ende des Heiligen Reiches 1806 endgültig bekleiden. Nach der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe 1547 verloren allerdings die Ernestinischen Wettiner diese Kurwürde. Die Albertiner konnten dann als Verbündete des Kaisers und Kurfürsten von Sachsen ihren Einfluß auf die Politik und wichtige Entscheidungen des Reiches nehmen. Beachtlich erscheint noch, daß die Angehörigen dieses Hauses zwar seit 1539 evangelisch waren und trotzdem die enge Zusammenarbeit mit dem katholischen Kaiserhaus in Wien bei wenigen Ausnahmen fast ununterbrochen weiter führten.

 

2. Die kulturellen Verbindungen

Das zeigte sich auch in der Entwicklung der Kunst und Kultur, holten sich doch die sächsischen Herrscher vielfach künstlerisch orientierte Fachleute aus dem katholischen Westen und Süden Europas. Dadurch wurden sie Wegbereiter der im 17. und 18. Jh. sich anbahnenden Bedeutung der sächsischen Haupt- und Residenzstadt Dresden. Noch in der Gegenwart belegen - trotz verschiedener Kriege, Revolutionen oder Aufstände - u. a. Kunstsammlungen, einzigartige Baudenkmäler oder Parkanlagen den kunsthistorischen Rang dieser bedeutsamen Metropole im mitteldeutschen Raum.

Höhepunkte sind vor allem die inzwischen wiederaufgebaute Dresdner Frauenkirche, die katholische Hofkirche und der wohl einmalige Dresdner Zwinger. Sehens- bzw. hörenswert sind ferner die Staatlichen Kunstsammlungen wie auch Aufführungen musikalischer Werke, wobei besonders die heutige Staats. bzw. Semperoper in Dresden hervorzuheben ist wie auch die eindrucksvollen Darbietungen von Orchestermessen.

Ein besonderes Verdienst kommt dabei der Kirchenmusik zu, die in der katholischen Hofkirche und der evangelischen Kreuzkirche eine beachtliche Tradition aufzuweisen hat. Eine wichtige Stellung besitzen in diesem Zusammenhang die katholischen Bischöfe von Dresden-Meißen, die es trotz zweier Weltkriege verstanden haben, unverändert musikalische Beispiele aus früheren Jahrhunderten einer breiten Öffentlichkeit zu Gehör zu bringen.

Diese Thematik konnte ich persönlich aus Anlaß der Wiedervereinigung Deutschlands in einer Sonderausgabe der Blätter für Sächsische Heimatkunde 1990 darstellen. Es ging dabei um die kulturelle Problematik, die sich im Zusammenhang mit dem neuen Freistaat Sachsen ergaben.

 

3. Die Toleranz der Wettiner

Unsere Darstellung ist deswegen noch gegenwärtig von besonderer Aktualität, weil am Beispiel des Hauses Wettin das Verhältnis zu den einzelnen christlichen Konfessionen aufgezeigt werden kann.

In erster Linie handelt es sich um die römisch-katholische Kirche und seit der Einführung der Reformation im 16. Jh. in Kursachsen und im Herzogtum Sachsen das evangelische Bekenntnis in seinen unterschiedlichen Varianten. Im folgenden beschränke ich mich in meinen weiteren Ausführungen fast ausschließlich auf das Haus Wettin - Albertinische Linie.

Schon zu Beginn der Neuzeit entwickelten sich in erster Linie Ansätze zu einer Toleranz gegenüber den einzelnen christlichen Kirchen, die in unserer Zeit am besten mit dem Begriff "Ökumene" beschrieben werden können. Dabei ist ausdrücklich zu betonen, daß die Wettiner vorwiegend tief religiös eingestellte Menschen waren und schon aus ihrem christlichen Glauben heraus einen angeborenen Hang zur Toleranz besaßen.

 

4. Von der Reformation bis zum Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen

Die evangelischen Regenten dieses Zeitraums führten die Reformation Martin Luthers zum Erfolg, indem sie sich trotz ihrer christlichen Haltung für das evangelische Bekenntnis einsetzten. Eine Ausnahme bildete die Erhaltung des katholischen Glaubens in den Klöstern St. Marienthal, St. Marienstern und bei den katholischen Sorben in der Umgebung von Bautzen. Die evangelischen Kurfürsten aus dem Hause Wettin waren seit 1635 zuständig für die Katholiken in der Oberlausitz und bis zum Ende der Monarchie in Sachsen Schirmherren in diesen Bereichen.

In kultureller Hinsicht besaßen sie enge Kontakte vor allem zu den katholischen Habsburgern. Daher holten sie Fachleute auf künstlerischem und kulturellem Gebiet aus dem katholischen Westen und Süden Europas. Teilweise unterhielten sie auch persönliche Kontakte mit ihren habsburgischen Freunden in Österreich, wovon noch heute zahlreiche sächsische Dorfkirchen Zeugnis ablegen.

 

Die wichtigsten Vertreter der Albertiner

Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1647/1680 - 1691)

Ähnlich wie seine Vorfahren setzte Kurfürst Johann Georg III. die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Österreich und damit mit den katholischen Habsburgern fort. Besonderen Anteil besaß dieser Wettiner an der für das christliche Abendland so folgenreichen Schlacht am Kahlenberg oberhalb von Wien am 12. September 1683.

Neben den Sachsen waren es in erster Linie die Bayern unter ihrem Kurfürsten Max Emanuel und der Polen-König Johann Sobieski, die als unmittelbare Nachbarn Österreichs gemeinsam an einem Sieg über die Türken interessiert sein mußten. Kaiser Leopold I. hatte seine Residenzstadt bereits nach dem 8. Juli 1683 verlassen, als die Türken in das südliche Vorgelände der österreichischen Metropole Wien vorrückten. Die Geschicke des Reiches lenkte Leopold von nun an von Passau aus. Dieser Kaiser, der persönlich ein tiefgläubiger Katholik war, pilgerte während seines einmonatigen Aufenthaltes in Passau fast jeden Abend auf den hoch über der Donau-Stadt liegenden Maria-Hilf-Berg. Vor dem in der dort befindlichen Wallfahrtskirche verehrten Marienbild - einer Kopie des bekannten Lucas Cranach-Bildes in Innsbruck - betete er für den Sieg über die Türken. Auf Vorschlag Leopolds wählten die Verbündeten den Schlachtruf "Maria hilf!". Mit Rücksicht auf den evangelischen Kurfürsten von Sachsen änderten die Verbündeten diesen Schlachtruf in "Jesus und Maria hilf!"

Interessant erscheint, daß nicht das Original in Innsbruck, sondern die Kopie des Maria-Hilf-Bildes in Passau zum Ausgangspunkt zahlreicher Wallfahrten wurde. Von dort aus konnten weitere Kopien im Bereich Süddeutschlands, des westdeutschen Gebietes, der Schweiz, Österreichs und des Elsaß verbreitet werden. Diese Kopien führten zu vielen Wallfahrten, wobei die Volksfrömmigkeit entscheidend angeregt wurde.

Diese wichtige Entscheidung von 1683 trug auch wesentlich dazu bei, daß die bisherige Vormachtsstellung der "Pforte", wie sich die Türkei damals nannte, sowie die Macht des Islam auf europäischem Boden zu schrumpfen begann. Das Osmanische Reich wurde erst am Ende des Ersten Weltkrieges 1918 aus der europäischen Landkarte entfernt.

 

Kurfürst und König August der Starke von Sachsen-Polen (1670/1694 - 1733)

Im Jahre 1694 trat mit Friedrich August I. dem Starken - als König von Polen August II. - ein bedeutsamer Wettiner die Regierung in Sachsen an. Dieser führte das Land in der Mitte Deutschlands - vor allem kulturell gesehen - einem Höhepunkt seiner Entwicklung insgesamt zu. Das gilt auch für seine religiöse Überzeugung und vor allem für seinen Plan, die Königskrone Polens zu gewinnen. Dieses Anliegen der Albertinischen Wettiner hatte seinen Grund in erster Linie darin, daß er sich nach dem Vorbild der beiden Großmächte Brandenburg-Preußen und Österreich-Ungarn eine Hausmacht außerhalb der Grenzen des Heiligen Reiches schaffen wollte. Damit griff Friedrich August bewußt auf die Zeit seines großen Ahnen Kurfürst Moritz zurück, der bereits im 16. Jh. ähnliche Großmacht-Pläne verfolgte.

Eine günstige Gelegenheit dazu ergab sich, als am 17. Juni 1696 König Johann Sobieski von Polen starb. Einen ersten Schritt dazu unternahm Friedrich August bereits, als er am 23. Mai 1694 das Bündnis mit dem katholischen Österreich erneuerte und gleichzeitig der Allianz gegen Frankreich beitrat. Das war deswegen bedeutsam, weil er sich einmal mit einer katholischen Großmacht Europas verbinden konnte und zum Zweiten gegen das Königreich Frankreich Stellung bezog. Es ist bekannt, daß Frankreich schon zu Beginn der Neuzeit den Ring der Habsburgischen Besitzungen um das eigene Land sprengen wollte und deshalb immer wieder versuchte, in anderen Ländern selbst oder mit nahestehenden Kandidaten als Fürsten Fuß zu fassen. Das zeigten auch die Auseinandersetzungen diplomatischer und vielfach kriegerischer Art um das Königreich Polen.

Am 1. Juni 1697 erfolgte als zweiter Schritt mit dem Übertritt August des Starken zum katholischen Glauben in Baden bei Wien. Dieser als weltgeschichtlich wichtiger Vorgang geschah vor seinem Vetter Kardinal Christian August von Sachsen-Zeitz. Damit entsprach Friedrich August auch der Vorschrift der polnischen Verfassung, die nur Kandidaten des katholischen Glaubens zur Königswahl in Polen zuließ.

Über diese Konversion stellte Kardinal Christian August ein vom päpstlichen Internuntius beglaubigtes Dokument aus. Diese Bescheinigung wurde dem im Auftrag des sächsischen Kurfürsten nach Warschau entsandten Beauftragten - dem Obersten von Flemming - als Legitimation zugeleitet. Die Zeit eilte, da der für die Wahl vorgesehene Vorgang bereits für den 25. Juni 1697 vorgesehen war.

Am 27. Juni 1697 kam es innerhalb des polnischen Reichstages zu einer zwiespältigen Wahlentscheidung zwischen dem französischen Kandidaten Conti und dem sächsischen Bewerber August dem Starken. Der Vizeprimas, der Bischof von Cujavien versicherte Friedrich August, daß er trotz dieses Wahlergebnisses in legitimer Weise zum polnischen König gewählt worden sei.

Am 5./15. September 1697 fand dann in feierlicher Weise unter Entfaltung aller Zeremonien der Barockzeit die Krönung des neuen Königs im Wawel zu Krakau statt. Damit wurde eine Epoche gemeinsamer sächsisch-polnischer Zusammenarbeit eingeleitet. Diese dauerte trotz kriegerischer Auseinandersetzungen - in erster Linie im Nordischen Krieg - bis zum Tode August des Starken 1733 und setzte sich unter seinem Sohn Friedrich August II. bis 1763 fort. Nochmals wurde sie unter Kaiser Napoleon I. und dem sächsischen König Friedrich August dem Gerechten, der zugleich Herzog bzw. Großherzog von Warschau war, zwischen 1806 und 1815 erneuert. In ihren Auswirkungen setzten sich diese engen Bindungen in vielen Fällen sogar bis in unsere heutige Zeit fort.

Bei dieser Gelegenheit ist noch darauf zu verweisen, daß August der Starke die religiösen Verhältnisse in Kursachsen als Folge seines Übertritts zum katholischen Glauben unverändert bestehen ließ, obwohl er nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 entsprechend dem Grundsatz "Cuius regio, eius religio" die Bevölkerung Sachsens nach dem Übertritt des Kurfürsten ebenfalls hätte vollziehen müssen.

Zu erwähnen ist außerdem, daß seine Gemahlin Christiane Eberhardine dem evangelischen Glauben ihrer Väter treu blieb. Mit Recht wurde sie vielfach als "gotische Betsäule Sachsens" bezeichnet. Sie stand daher einer berauschenden Barockfigur - August dem Starken - gegenüber. Zu ihren Lebzeiten unterhielt sie im Schloß Pretzsch an der Elbe nach dem Vorbild von Dresden eine eigene Hofhaltung und fand ihre letzte Ruhestätte in der evangelischen Schloßkirche ebenfalls von Pretzsch.

Aus den vorliegenden Quellen dürfte klar sein, daß August der Starke seine Konversion aus politischen Gründen besonders wegen der polnischen Kandidatur vollzog. Persönlich war er das, was man in unserer Zeit mit dem Begriff eines "Taufschein-Katholiken" bezeichnen könnte. Das bedeutete, daß er zwar nominell der katholischen Kirche angehörte, aber nur selten in der Kirche anzutreffen war.

Trotzdem vertrat August der Starke in religiöser Beziehung die Meinung, daß ein Herrscher wahrhaft fromm sein sollte, da das Volk immer nach einem Vorbild verlangte; doch dürfte ein Monarch weder bigott noch ein Freigeist sein. Allerdings wußte er auch die Geistlichkeit in ihre Schranken zu verweisen. Darüber äußerte er sich in seinem politischen Testament wie folgt:

"Der Geistlichkeit darf nicht allzu viel Macht eingeräumt werden; sie liebt es, sich in die Geschäfte einzumischen, immer unter dem Vorwand der Lehre, die sie wie ein Allheilmittel überall anwenden möchte."

Wichtig ist auch, daß Kursachsen sich in Folge des Übertritts August des Starken zum katholischen GIauben - kulturell gesehen - weiterhin dem katholischen Süden und Westen Europas öffnete. Dadurch konnte die aus Italien und Österreich über Böhmen nach Norden vordringende Barockkultur auch dieses vorwiegend evangelische Land in der Mitte Deutschlands erfassen. Das gilt nicht nur für die Residenzstadt Dresden, sondern auch für die Messestadt Leipzig. Während in Dresden der Hof und die diesem in enger Bindung bestehende Beamtenschaft diese neue kulturelle Stellung förderten, war es in Leipzig das Bürgertum - insbesondere die Kaufleute, deren Beziehungen zu weiten Teilen Europas die kulturellen Einflüsse nicht nur fördern, sondern auch weitergeben konnte. Repräsentiert wurden diese auch sozial wichtigen Schichten der Bevölkerung neben umfangreichen Dokumenten der Baukunst und sehenswerten Gemälden in den Kunstsammlungen auf musikalischem Sektor durch Namen Johann Adolph Hasse (1699 - 1783) und Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) geprägt.

 

Kurfürst und König Friedrich August II. von Sachsen-Polen (1696/1733 - 1763)

Die zuvor erwähnte kulturelle Linie verstärkte sich noch weiter unter Friedrich August II., der als König August III. von Polen amtierte.

Friedrich August vermählte sich am 20. August 1719 mit Erzherzogin Maria Josepha von Österreich (1699 - 1757), einer Tochter Kaiser Joseph I. Durch seine Heirat mit einer Habsburgerin vertiefte Friedrich August auch seine Beziehungen zur katholischen Kirche; dadurch wurde aber auch die Heiratspolitik mit den katholischen regierenden europäischen Fürstenhäusern wesentlich gefördert. Als König August III. von Polen setzte er auch die von seinem Vater August dem Starken angebahnte Zusammenarbeit mit dem östlichen Nachbarland fort. Durch seinen Premierminister Heinrich Reichsgraf von Brühl geriet er in die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland. Daraus ergab sich das erbitterte Ringen um das Weiterbestehen des in der Donau-Monarchie regierenden Hauses Habsburg-Lothringen und des durch die evangelischen Hohenzollern in Preußen herrschenden Fürstenhauses. So konnte sich das durch den katholischen Glauben repräsentierte römisch-deutsche Kaisertum bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches - Deutscher Nation 1806 erhalten. In Folge dieses verpflichtenden Erbes konnte sich auch das 1804 neu erstandene Kaisertum Österreich, als Fortführung des untergegangenen Reiches von 1806 sogar bis zum Ende des Ersten Weltkrieges behaupten.

Auf kulturellem und künstlerischem Gebiet förderte Friedrich August II. vor allem italienische Malerei und Musik, wobei wiederum die traditionelle Linie der Herrscherhäuser Habsburg und Wettin durch Einfluß des Christentums eine würdige Fortsetzung fand. Auf die Initiative dieses kulturell interessierten Wettiners geht besonders der noch heute allgemein bewunderte Bestand an Gemälden italienischer Künstler in der weltberühmten Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister zurück. Mit seinem Namen ist ferner der Bau der katholischen Hofkirche in Dresden eng verbunden. Mit dessen Ausführung beauftragte er den bedeutenden römischen Baumeister und Architekten Gaetano Chiaveri, einem Schüler Berninis.

Noch heute findet in der Osternacht des Karsamstags mit der Aufführung des Te Deums von Johann Adolph Hasse und des Segens mit der wunderschönen Monstranz als Stiftung der Kurfürstin und Königin Maria Josepha statt, der schon erwähnten Gemahlin Friedrich August II.

Trotz dieses repräsentativen Werkes für seine katholischen Untertanen tastete Friedrich August II. die vertraglich fest geregelten Rechte seiner mehrheitlich evangelischen Mitbürger nur dadurch an, daß er die römisch-katholische Kirche in ihrer Tätigkeit lediglich auf den Hof und die diesem Kreise nahestehenden Persönlichkeiten beschränkte. Damit setzte er ein Beispiel fort, dem auch alle folgenden Wettiner auf dem Kurfürsten- und Königsthron bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 folgten.

 

Kurfürst und König Friedrich August der Gerechte von Sachsen (1750/1763-1827)

Auch die Regierungszeit des Kurfürsten Friedrich August III. - des späteren König Friedrich August I. des Gerechten - zeichnete sich entsprechend der traditionellen Haltung aus, daß die Ausbreitung der Katholischen Kirche ihm besonders am Herzen lag. Dabei war er der evangelischen Mehrheit der sächsischen Bevölkerung gegenüber keinesfalls intolerant. Das bestätigten auch seine Zeitgenossen und seine Biographen, die sich mit Leben und Werk dieses Wettiners beschäftigten. Als Beispiel ist Karl von Weber anzuführen. Dieser Historiker äußerte sich über die religiöse Haltung Friedrich August des Gerechten wie folgt:

"Obgleich der Kurfürst nach sehr bigotten Grundsätzen erzogen wurde, kann man ihn keinesfalls des Formalismus und der Intoleranz beschuldigen. Man muß ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er die Gesetze und Gebräuche seiner Kirche mit einer lobenswerten Gewissenhaftigkeit befolgt, er hielt sogar mit einer Strenge darauf, daß alle, welcher Kirche sie auch angehören, dies tun."

Aus diesem Grund mußten auch die geplanten Säkularisationen, wie sie auf Betreiben Kaiser Napoleons I. und des Zaren Alexander von Rußland für die Verluste der weltlichen deutschen Fürsten auf dem linken Rheinufer durch die Verhandlungen der Reichsdeputation von Regensburg vorgesehen waren und vielfach zu schmerzlichen Amputationen der geistlichen und weltlichen Fürstentümer oder Reichsstädte führten. Diese mußten auch seine religiösen Gefühle tief verletzen. Dabei ist noch zu betonen, daß die auf diese Weise vorgesehenen Auflösungen der geistlichen Territorien, der Reichsstädte oder der Reichsritterschaft aus seiner konservativen, auf dem Prinzip der Gerechtigkeit fußenden Einstellung widersprachen. Durch deren Verlust an Eigenständigkeiten verlor das Heilige Römische Reich Deutscher Nation Bastionen, die bisher treu zu Kaiser und Reich standen. Dazu kam noch, daß auch Friedrich August persönlich in Treue zum Heiligen Reich und seiner föderalen Verfassung stand. Deshalb sah er auch die Schwächung der kaiserlichen Gewalt als Anfang vom Ende an.

Die Ereignisse, die 1806 zur Gründung des von Napoleon präsentierten Rheinbundes und damit nach einem Jahrtausend zum Ende des heiligen Reiches führten, sollte Friedrich August dem Gerechten in seiner Haltung durchaus Recht geben.

Am 11. September 1806 trat Friedrich August auf Grund des Friedensvertrages von Posen zwischen Kursachsen und Frankreich dem Rheinbund bei. Gleichzeitig damit wurde das bisherige Kurfürstentum Sachsen zum Königreich erhoben. Interessant ist, daß in diesem Friedensvertrag laut Artikel V Katholiken und Protestanten in der Ausübung ihres jeweiligen Gottesdienstes künftighin gleichgestellt werden sollten. Auch die Untertanen dieser beiden Bekenntnisse kamen ohne Einschränkung in den Genuß der gleichen bürgerlichen und politischen Rechte.

In Erfüllung dieser wichtigen Bestimmung, die den Katholiken die völlige Gleichberechtigung mit den bisher allein bevorrechteten Lutheranern bescherte, erkannte die königliche Regierung in Dresden auch der Römisch Katholischen Kirche dieses Recht zu, indem sie die Verfassung entsprechend änderte. Weiter sicherte sie auch den Lutheranern zu, daß die in ihren Vorrechten nicht geschmälert werden sollten. Die Zensur katholischer Schriften übertrug die Regierung einem eigenen katholischen Vikar. Schließlich erfolgte am 15. März 1811 auch die Gleichberechtigung der Reformierten Kirche in Sachsen.

Auch nach 1815, als der Posener Friedensvertrag seine Gültigkeit verlor, erkannte Friedrich August der Gerechte 1816 ausdrücklich die Gleichstellung der christlichen Bekenntnisse an.

Bis zum Ende nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 stand dieser Monarch auf der Seite des Napoleonischen Frankreich. Noch am Ende seines Lebens sah er in Napoleon das Heil Europas, auch aus weltanschaulich-religiösen Gründen. Für diese seine Überzeugung mußte Friedrich August noch 1813 in preußische Gefangenschaft in Berlin gehen und im Wiener Kongreß von 1815 60% seiner Erblande an Preußen abgeben.

Mit dem Beitritt zum Deutsche Bund am 8. Juni 1815 übernahm das Königreich Sachsen die vollen Rechte und Pflichten als Mitglied des durch den Wiener Kongreß neu geschaffenen bis 1866 bestehenden Staatenbundes. Erneut bekräftigte Friedrich August der Gerechte die Gleichberechtigungen der christlichen Konfessionen und sagte schließlich eine Verbesserung der Lage der Juden zu. Diese waren bereits seit August dem Starken im Zusammenhang mit den Leipziger Handelsmessen ursprünglich aus dem polnischen Galizien mit bestimmten Vorrechten ausgestattet.

Auch in der Förderung der Musik und des allgemeinen Kulturlebens bewies dieser König seinen ausgesprochenen Hang zum christlichem Leben. Davon profitierte auch vor allem die Pflege der Kirchenmusik in der Katholischen Hofkirche von Dresden.

 

König Anton der Gütige von Sachsen (1755/1827-1836)

Als Folge der revolutionären Unruhen des Jahres 1830 kam es während der Regierungszeit von König Anton dem Gütigen zu einem für die Geschichte Sachsens grundlegendem Reformwerk innerhalb des staatlichen Lebens. Obwohl die König gläubiger Katholik war, suchte er die konservative Haltung seines Bruders Friedrich August weiter zu führen. Schließlich wurde diese Umgestaltung des Königreichs Sachsen im demokratischen Sinn durch die Ernennung des volkstümlichen späteren Königs Friedrich August II. zum Mitregenten Antons am 13. September 1830.

Wohl die wichtigste Errungenschaft der Reform bildete die erste moderne Verfassung des Königreichs Sachsen vom 4. September 1831. In ihren §§ 32 und 33 bestimmte diese Verfassung Glaubens- und Gewissensfreiheit, betonte aber gleichzeitig in § 56 Abs. 2 den evangelischen Charakter des Landes durch das absolute Verbot der Errichtung von Klöstern und besonders der Zulassung des Jesuitenordens.

Grundsätzlich übte König Anton gemäß § 57 der Verfassungsurkunde auch das Hoheitsrecht über die christlichen Kirchen in Sachsen aus. Trotz seiner Zugehörigkeit zum katholischen Glauben, war der König Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Kirche Sachsens. In der Praxis wurde dies bis 1918 geltende Recht durch einen Ausschuß von drei Mitgliedern der sächsischen Staatsregierung unter dem Vorsitz des Kultusministers ausgeübt. Daher mußte diese Kabinetsmitglied laut Verfassung immer dem evangelisch-lutherischen Glauben angehören.

 

König Friedrich August II. von Sachsen (1797/1836-1854)

Von besonderer Bedeutung für die Geschichte des Hauses Wettin wurde das Zeitalter von König Friedrich August II. von Sachsen. Dieser Herrscher war trotz seines katholischen Glaubens durchaus dem liberalen Gedankengut aufgeschlossen. Daher hatte er neben seinem Onkel Anton - wie bereits erwähnt - das Amt eines Prinz-Mitregenten ausgeübt.

Im Rahmen der Vorgeschichte der Revolution 1848/1849 entstand auf religiösem Gebiet im Königreich Sachsen unter dem Einfluß des Liberalismus am 12. Februar 1845 in Leipzig und am 15. Februar desselben Jahres in Dresden die Deutsch-Katholische Bewegung. Ihr gehörte beispielsweise der spätere liberale Leipziger Revolutionsführer Robert Blum an, der zugleich Repräsentant der linksliberalen Vaterlandsvereine war.

Schon 1845 stellte die liberale Opposition im Sächsischen Landtag einen Antrag auf die Verwirklichung der von den Deutsch-Katholiken eingereichten Glaubensartikel durch das zuständige sächsische Kultusministerium. Da diese Artikel aber voneinander abwichen, beschloß dieses Ministerium zunächst den Versuch eines Gemeinbekenntnisses abzuwarten; gleichzeitig forderte es zusätzlich ein Gutachten des Landeskonsistoriums und der Katholischen Fakultät der Universität Leipzig. Trotzdem wurden die Deutsch-Katholiken seither stillschweigend geduldet. 1848 fand diese Religionsgemeinschaft in Sachsen volle Anerkennung. Zu dieser Zeit bestanden bereits 19 Gemeinden Ähnlich entwickelte sich auch die von der evangelischen Kirche abgespaltenen "Lichtfreunde".

Interessant ist, daß auch das Verhältnis der Evangelischen Kirche zur Römisch-Katholischen Kirche die liberale Opposition zu Eingaben im Landtag anregte. Als weit verbreitet erwies sich - wie bereits erwähnt - besonders die Angst vor einer Zulassung der Jesuiten, die offiziell im Lande verboten waren.

Aber auch die Frage der pflichtmäßig angeordneten Kniebeugen der evangelischen Soldaten in katholische Kirchen führten vielfach zu überspitzten Diskussionen und Debatten. Sogar Prinz Johann von Sachsen setzte sich als Mitglied der Ersten Kammer des Sächsischen Landtages erfolgreich für den Wegfall dieser Bestimmung ein. Dennoch wurde aus Anlaß der Parade der Leipziger Kommunalgarde Prinz Johann, der seit 1830 Kommandant dieser Bürgerwehr auf Landesebene war, aufgrund seines katholischen Glaubens als Haupt einer angeblich klerikalen Richtung persönlich angegriffen. Daraus entwickelte sich am 12. August 1845 in Leipzig sogar ein Aufstand, der sich gegen den Prinzen und die Jesuiten richtete. Den Lebenserinnerungen dieses Wettiners können wir entnehmen, daß diese Unruhe von Robert Blum angezettelt wurde. Auf Veranlassung von König Friedrich August II. führte dieser Aufstand zu einem Versammlungsverbot in ganz Sachsen vom 26. August 1845.

Bezeichnend ist, daß es in Sachsen im März 1848 als Folge einer neuen Französischen Revolution zu einem Umschwung im Sinn des Liberalismus kam. Die damit verbundenen Versammlungen und Eingaben führten aber keineswegs zum Ausbruch von Unruhen, konnten aber wahrscheinlich unter Einfluß des Königs vorwiegend in friedliche Bahnen gelenkt werden.

Immer wieder standen im Zusammenhang liberaler Forderungen auch Probleme einer vollen Glaubensfreiheit und gleichen bürgerlichen Rechte für die einzelnen christlichen Kirchen in Sachsen im Mittelpunkt der links-orientierten Radikalen und der Vaterlandsvereine, die bekanntlich unter der Führung von Robert Blum standen. Gemeinsam mit den übrigen politischen Wünschen der Liberalen lehnte der König die von einer Leipziger Abordnung vorgebrachten Vorschläge ab. Trotzdem gaben sich ihre Vertreter damit keineswegs zufrieden.

Am 16. März 1848 wurde dann ein den liberalen Wünschen entsprechenden Sächsisches Gesamtministerium unter der Leitung des Plauener Advokaten Karl-Heinrich Braun gebildet, dem kurze Zeit später als Repräsentant der Vaterlandsvereine Martin Oberländer aus Zwickau als Innenminister beitrat. In einer Proklamation vom gleichen Tag stellte die neue Staatsregierung eine "Gesetzliche Ordnung der Kirchlichen Verhältnisse im Geist der Ordnung und Parität" in Aussicht.

Trotzdem gingen die Forderungen der Radikalen weiter, wie eine von ihnen und von kirchlichen Vertretern gemeinsame Versammlung am 8. April 1848 in Leipzig bewies. In dem von dieser Zusammenkunft verabschiedeten Grundsätzen wurde eine Trennung von Kirche und Staat sowie eine Demokratisierung innerkirchlicher Verhältnisse verlangt. Als "welthistorisch" wurde es bezeichnet, daß die von dieser Versammlung erhobenen Grundsätze und Wünsche auch von fünf in Sachsen wirkenden Konfessionen beschlossen wurden.

Der am 21. Mai 1848 einberufene außerordentliche Sächsische Landtag in Dresden hob die seit der Reformation bestehenden evangelischen Stifte Meißen und Wurzen auf. Dagegen garantierten Friedrich August II. und die liberale Staatsregierung trotz gegenseitiger Versuche der liberalen Parteien den katholischen Stiften St. Marienstern und St. Marienthal sowie dem Domkapitel St. Petri in Bautzen ihre bisherigen Rechte.

In der Arbeit des "Unverstandslandtages" und im Zuge der Vorgeschichte der Dresdner Mai-Revolution 1849 traten weltanschaulich-religiöse Fragen in den Hintergrund gegenüber den beherrschenden Problemen Reichsverfassung und Reichsoberhaupt. Das galt für die Mai-Revolution selbst, obwohl die von den Revolutionären gebildete provisorische Regierung in Dresden aus Mitgliedern bestand, die dem linken Flügel des Liberalismus nahestanden und entsprechende Wünsche auf religiösem Gebiet erhoben hatten.

Auch als Folge der Revolutionsjahre 1848/1849 entstandenen "Sozialen Bewegung" tauchten derartige Fragen nur vereinzelt auf, da in den Reihen des kleinen Handwerkertums und der Industriearbeiterschaft soziale- und wirtschaftspolitische Probleme im Mittelpunkt der Diskussionen und Forderungen standen.

König Friedrich August II. von Sachsen starb am 9. August 1854 in Imst/Brennbichl als Folge eines Unglücksfalles während seines letzten Ausflugs in das Tiroler Pitztal. Noch in der Gegenwart erinnert die im Auftrag seiner Gemahlin Maria errichtete Königskapelle von Brennbichl an diesen bedeutsamen sächsischen Herrscher. Heute ist diese Kapelle mit dem kleinen umgebenen Grundstück Begräbnisstätte des Hauses Wettins Albertinische Linie.

 

König Johann von Sachsen (1801/1854-1873)

Nach dem Tode von König Friedrich August II. folgte sein jüngerer Bruder Johann auf dem Thron der Wettiner.

Johann war ein ausgesprochen guter Kenner der Probleme von Wirtschafts- und Sozialpolitik aber auch zahlreicher wichtiger Fragen des staatlichen und öffentlichen Lebens. So ist es nur allzu verständlich, daß er sich schon vor seiner Thronbesteigung in der Ersten Kammer des Sächsischen Landtags mit dem Kapitel der Kirchen und ihrer Stellung äußerte. In einer quellenkundlich bedeutsamen Sammlung seiner Schriften und Reden, die 1884 in Druck erschien, finden wir eine umfangreichen Darstellung mit der Überschrift "Kirche und Schule, die Heilsquellen des Lebens". In den dort wiedergegebenen Redeausschnitten stehen wichtige Grundsätze seiner Ausführungen im Mittelpunkt der gedruckten Texte. Daraus können wir die folgenden Kapitel entnehmen:

    1. Zur Erhaltung der Heiligkeit der Ehe (14. Juni 1833).
    2. Teilnahme der Geistlichen am Ehegericht (17. Juni 1833).
    3. Emanzipation der Juden (26. Juni 1833).
    4. Charakteristik der Katholischen Kirche (19. Oktober 1833).
    5. Gemischte Ehen und Gewissenszwang (15. Februar 1834).
    6. Freie Religionsausübung der Juden (20. Februar 1834).
    7. Konsitorialverfassung in der protestantischen Kirche (8. März 1834).
    8. Fortbildung des Eherechts - Christliches Prinzip in demselben (23. April 1834).
    9. Duldsamkeit gegenüber den Juden - Natur des christlichen Staates (22. April 1837).
    10. Christliche Behandlung der Juden (13. August 1837).
    11. Über den Eid und die sinkende Religiosität (24. März 1840).
    12. Über die politischen Rechte der Juden (7. April 1843).
    13. Reform der Evangelisch-lutherischen Kirchenverfassung (29. Januar 1846).

Daran schlossen sich noch mehrere grundsätzliche Äußerungen zum Schulwesen, das in Sachsen besonders vorbildlich geregelt war.

Grundsätzlich erscheinen mir die Gedanken König Johanns zur Parität der beiden christlichen Konfessionen auf Landesebene wichtig. Dabei trat er für die Gleichheit in den Beziehungen zum Staat ein. Aus diesem Grund sollte man auch die in der katholischen Kirche bestehenden Einrichtungen auch in der Form erhalten, wie sie damals üblich waren. Interessant erscheint überdies, daß der Monarch sich am 20. Februar 1831 dafür einsetzte, auch den Juden im Königreich Sachsen die freie Religionsausübung zu gewähren.

Grundsätzlich trat Johann auch für ein weiteres Zusammenwirken zwischen Kirchen und Schulen ein und bezeichnete eine Trennung für bedenklich.

Da der König ein vorzüglicher Kenner der sozialen und wirtschaftlichen Probleme war, setzte er sich für die "Soziale Frage" ein. Dazu darf bemerkt werden, daß er auch die katholische Soziallehre - wie sie von vielen Päpsten und Bischöfen schon damals vertreten wurde - kannte und als gläubiger Katholik auch in seiner Arbeit im Sächsischen Landtag berücksichtigte. So wurde er zu einem frühen Wegbereiter, der auch in unserer Gegenwart aktuellen Sozialenzykliken der Päpste Leo XIII. und Pius XI. die mit "Rerum novarum und "Quadragesimo anno" entscheidende Aussagen zur Lösung der "Sozialen Frage" unternahmen. Man sollte daher auch von Seiten der Kirche diesem sächsischem König eine entsprechende Rolle in der Geschichte dieser Enzykliken zuweisen. Das gilt auch für die gesamte katholische Soziallehre, die nach Aussage von Erzbischof Reinhard Marx in München heute eine große Bedeutung erhält.

Es sollte aber auch bedacht werden, daß das Königreich Sachsen von dieser Sozialentwicklung für das kleine Handwerk und die Industriearbeiterschaft unmittelbar betroffen waren. König Johann von Sachsen gebührt daher in der Geschichte der Sozialideen ein besonderer Platz. Auch heute noch erinnert noch ein Denkmal an diesen bedeutsamen Wettiner auf dem Theaterplatz in Dresden.

König Albert und seine Gemahlin Carola sowie König Georg von Sachsen verfolgten eine ähnliche Haltung wie König Johann. Dabei ist bemerkenswert, daß Königin Carola durch ihre sozialen umfangreichen Aufgaben offensichtlich durch die katholische Soziallehre beeinflußt wurde.

 

König Friedrich August III von Sachsen (1865/1904-1918/1932)

Dieser letzte sächsische Monarch aus dem Hause Wettin war ein tief gläubiger Katholik und ein regelmäßiger Besucher der heiligen Messen und verwandter Einrichtungen, wobei er fast täglich die heilige Kommunion empfing.

Interessant erscheint, daß Friedrich August als nominelles Oberhaupt der Evangelisch-lutherischen Kirche vielfach auch Schulbesuche in sein Programm aufnahm und auch dem Religionsunterricht beiwohnte. Dabei konnte er sich persönlich vom Wissenstand der einzelnen Schulklassen überzeugen. Besonders gern stellte er gezielte Fragen, deren Antworten er von den Schülern erwartete. Bestanden Wissensmängel, so mahnte er zur Besserung. Dabei übte er an den entsprechenden Fachlehrern auch vielfach Kritik.

Wichtig für Sachsen, Deutschland und die Regierungszeit Friedrich Augusts III. erwies sich die Friedensinitiative dieses sächsischen Herrschers 1916. Dabei handelte es sich um den weiteren Verlauf des 1. Weltkrieges, als es sich in bedrohlichem Maße andeutete, daß die USA auf der Seite den Entente in die kriegerischen Auseinandersetzungen einzugreifen drohte.

Aus den Erzählungen meines Vaters Prinz Friedrich Christian ist mir bekannt, daß Friedrich August III. im Jahr 1916 mit den Reußischen Fürstentümern im heutigen Thüringen sowie den Hansestädten Hamburg und Bremen Kontakte aufnahm, um den Eintritt der Vereinigten Staaten in den 1. Weltkrieg noch vor deren Bündnis mit den Verbündeten gegen die Mittelmächte Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei zu verhindern. Leider war diesem Versuch, den Frieden zu erhalten, kein Erfolg beschieden. Dennoch konnte ein Zeichen des Optimismus gesetzt werden, als 1917 Papst Benedikt XV. von Seiten des Vatikan mit einer eigenen Friedensinitiative an die Öffentlichkeit treten konnte. Im Deutschen Reich selbst hielt Kaiser Wilhelm II. als Reichsoberhaupt Treue zum sächsischen Monarchen und den genannten Friedensinitiativen auch gegenüber der Obersten Heeresleitung in Berlin, die sich für die weitere Fortsetzung des Krieges einsetzte.

In der künftigen Geschichtsforschung sollte dieser Versuch, den Frieden wiederherzustellen, Berücksichtigung finden - wollte doch König Friedrich August III. von Sachsen, aus seiner christlichen Überzeugung heraus, einen wesentlichen Beitrag leisten.

In seiner Familie vollbrachte der letzte sächsische König in religiöser Hinsicht beispielhafte Leistungen. So erzog er alle seine Kinder zu gottesfürchtigen und sozial orientierten Angehörigen des sächsischen Königshauses. Damit sollten seine Söhne und Töchter für alle Sachsen ein gutes Beispiel und christliches Vorbild geben.

Wohl den schönsten Nachruf für diesen letzten Sächsischen König Friedrich August III. brachte anläßlich der Trauerfeier in der Sophienkirche in Dresden am 23. Februar 1932 die Evangelischen Landeskirche, in der sich Landesbischof Ihmels wie folgt äußerte:

"Seitdem er nach der allgemeinen Sitte den neuen Professor der Universität gehört hatte, habe ich den Beweis seiner Güte und Freundlichkeit empfangen dürfen, die mir so ganz die unerwartete Todesnachricht so schmerzlich machte und für die ich auch fürbitte, Dank sagen zu dürfen. Auch das ist auch ein Beweis, wie der Heimgegangene - obgleich ein treuer Sohn seiner Kirche - zugleich doch unserer Landeskirche und ihren Gliedern ein freundliches Entstehen entgegengebracht hat."

Die feierliche Beisetzung dieses letzten regierenden Wettiners fand unter Beisein von ca. 700.000 Teilnehmern in Dresden statt. Sein Leichnam wurde in der Gruft unterhalb der Katholischen Hofkirche bestattet. Noch heute ist die Erinnerung an diesen bedeutsamen Wettiner unvergessen. War er doch in der Tat einer der volkstümlichsten Vertreter dieses 829 Jahre regierenden Herrscherhauses.

 

Kronprinz Georg von Sachsen (1893-1943)

Mit dem Tod König Friedrich August III. ging eine bedeutende Epoche sächsischer, deutscher, europäischer und wettinischer Geschichte zu Ende. Die Albertiner mußten nun im privaten und öffentlichen Leben ohne Rückendeckung ihre Stellung behaupten. In erster Linie galt dies für Kronprinz Georg von Sachsen der trotz seines geistlichen Standes im sächsischen Volk großer Liebe und Achtung erfreute.

Kronprinz Georg, der am 15. Januar 1893 im Taschenbergpalais zu Dresden geboren wurde, wählte als Folge der Niederlage Deutschlands nach dem Ende des 1. Weltkrieges auf eigenen Entschluß die geistliche Laufbahn. Bereits am 14. Juli 1924 wurde er vom katholischen Bischof von Meißen Dr. Christian Schreiber zum Priester geweiht. Am folgenden Tag feierte dieser Wettiner in der Schloßkapelle Sybillenort bei Breslau in Schlesien, wo damals sein Vater, König Friedrich August III. lebte, unter Beisein der gesamten königlichen Familie, seine Primiz. Danach wurde Kronprinz Georg von Sachsen zunächst Seelsorger im Gebiet von Glatz in Schlesien.

Am 15. September 1925 erfolgte sein Eintritt in den Jesuitenorden in Pullach bei München. Als Mitglied dieses bedeutenden Ordens wirkte Pater Georg von Sachsen, wie er nun allgemein genannt wurde aktiv in der Großstadtseelsorge zunächst in Berlin. Als Geistlicher gewann er ein hohes Ansehen und wurde trotz seiner Stellung als letzter Kronprinz von Sachsen hoch geachtet und besaß, wie schon erwähnt aus diesem Grund einen großen Freundeskreis aus der Bevölkerung.

In Berlin fand er am 14. Mai 1943 unter nicht geklärten Umständen den Tod beim Baden, obwohl er als vorzüglicher Schwimmer bekannt war. Ob wirklich ein Herztod erfolgte, ist ebenfalls auch heute noch unklar. Über die wirkliche Todesursache bestehen noch immer Differenzen; es darf aber angenommen werden, daß die eigentliche Ursache darin zu suchen ist, daß er während seiner Berliner Zeit als Großstadtseelsorger Oppositionelle, vor allem aber auch Juden, vor dem Naziregime versteckte und sie damit schützte. Auch meine Gespräche mit Historikern und Zeitzeugen haben keinen eindeutigen Beweis liefern können.

1943 fand Pater Georg von Sachsen als vorläufig letzter Vertreter des Hauses Wettin - Albertinische Linie in der Gruft der Katholischen Hofkirche in Dresden seine letzte Ruhestätte. Die Katholische Kirche Sachsen, die seit 1945 diese Wettinische Hausgruft betreut, ließ den ursprünglichen Holzsarkophag in einen Steinsarkophag umbetten. Damit erhielt dieser Vertreter des Hauses Wettin hoffentlich seine endgültige Ruhestätte in seiner geliebten Heimat Dresden.

Persönlich kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, daß mein Onkel Pater Georg von Sachsen zur Ersten Heiligen Kommunion an unserem Wohnsitz weilte. Dabei handelte es sich um die Kommunionsfeier meiner jüngsten Schwester Mathilde und mir in der Schloßkapelle von Dresden-Wachwitz. So konnte ich wenigstens meinen hochverehrten Onkel einmal kennenlernen.

 

Zusammenfassende Gedanken

Aus der Geschichte ist ersichtlich, daß meine Familie, das Haus Wettin - Albertinische Linie, in allen Jahrhunderten immer wieder das Christentum und seine Bedeutung in Sachsen zur Geltung brachte.

Wir sollten daher bestrebt sein, diese wichtige Aufgabe auch in Zukunft hoch zu halten, wie es mir mein verehrter Vater Prinz Friedrich Christian von Sachsen Herzog zu Sachsen Markgraf von Meißen so beispielhaft vorgelebt hat. Ihm verdanke ich es auch noch in der Gegenwart, daß er mich mit seinem Glauben und der Geschichte der Wettiner vertraut gemacht hat. Noch kurz vor seinem Tod sagte er mir mit Betonung:

"Jetzt kann ich ruhig sterben, weil ich weiß, daß es weiter geht."

Dieser mir unvergeßliche Ausspruch meines verehrten Vaters fiel nach einem meiner Vorträge in Oberbayern. In ähnlicher Weise tat dies auch mein Onkel Ernst Heinrich, als wir uns zum letzten Mal in München treffen konnten. Da sich diese großen Worte beider Wettiner weiter mit Leben erfüllen, ist für mich immer wieder ein wichtiger Ansporn, mich mit Sachsen und seiner Geschichte, nicht zuletzt im Geist des Christentums, mit Gottes Hilfe zu befassen.

 

SKH
Dr. phil. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen Markgraf von Meißen

München 2012

 

 

 
 

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