Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Zum Gedenken an König Friedrich August II. von Sachsen

1797/1836 - 1854



 
 

 

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König
Friedrich August II.
von Sachsen

Am 9. August 2004 begehen wir den 150. Todestag von König Friedrich August II., der als Nachfolger von König Anton 1836 die Regierung des Königreiches Sachsen antrat. Bereits von 1830/31 - 1836 amtierte er als Mitregent seines Onkels Anton.

Friedrich August II. war der älteste Sohn des Prinzen Maximilian von Sachsen und der Prinzessin Caroline Marie Therese von Parma, Infantin von Spanien.

König Friedrich August II. wurde am 18. Mai 1797 in Schloß Pillnitz bei Dresden geboren. Die Geburt dieses Wettiners wurde im ganzen Land mit großer Freude aufgenommen, bestand doch bisher die große Sorge, das Haus Wettin Albertinische Linie könnte möglicherweise aussterben. Diese Besorgnis war berechtigt, weil König Friedrich August der Gerechte nur eine Tochter hatte und die Kinder König Antons schon frühzeitig verstorben waren. Glücklicherweise war jedoch die Ehe des Prinzen Maximilian mit Caroline von Parma durch zahlreiche Nachkommen gesegnet. Darunter befand sich - wie bereits erwähnt - Prinz Friedrich August, der spätere König Friedrich August II. von Sachsen.

Von grundlegender Bedeutung erwies sich die Tatsache, daß Friedrich Augusts Vater Maximilian ein ausgezeichneter Familienvater war. Seinen sieben Kindern vermittelte er eine innige Liebe und erzog sie zu echter Religiosität, die aber vorzugsweise auf Häuslichkeit aufgebaut war. In der Alltagsbeschäftigung stand vor allem das Studium der Geschichte und der Naturwissenschaften im Mittelpunkt. Dazu kamen Musik, Dichtkunst und ein verhältnismäßig leichtes Erlernen von Fremdsprachen, Talente, die auch bei Friedrich August und seinen Geschwistern anzutreffen waren. Für die Laufbahn Friedrich Augusts war es wichtig, daß sein Vater der erste Lehrer war und ihn gleichzeitig mit dem religiösen Leben vertraut machte. Das geschah vorzugsweise durch regelmäßige Andachtsübungen, die täglich auf dem Programm standen. Maximilian kümmerte sich ferner auch um die Anzahl der Lehrer, die seine Kinder auf ihre späteren Tätigkeiten vorzubereiten hatten. Grundlegend für die weitere Erziehung der Söhne war der aus der Schweiz stammende General- und Oberhofmeister von Forell. Auf diese Weise erlebte Friedrich August eine für seine späteren Aufgaben als König ausgeprägte Kinder- und Jugendzeit.

Für die Geschichte der engeren familiären Bindungen zu den katholischen Fürstenhäusern wurden die beiden Ehen Friedrich Augusts mit Vertreterinnen der Häuser Habsburg-Lothringen und Wittelsbach bedeutungsvoll. Friedrich August heiratete in erster Ehe Erzherzogin Carolina von Österreich, eine Tochter Kaiser Franz I. Nach deren allzu frühem Tod am 22. März 1832 schloß er am 24. April 1833 den Bund der Ehe mit Prinzessin Maria Leopoldina von Bayern, einer Tochter des bayerischen Königs Max I. Joseph und dessen zweiter Gemahlin Caroline Friedrike Wilhelmine von Baden. Bezeichnend für diese Wittelsbacherin auf dem sächsischen Königsthron war ihre soziale Gesinnung, die sich in einer aufopfernden Tätigkeit in den von ihr ins Leben gerufenen Frauenvereinen äußerte. Damit kann sie mit vollem Recht als eine frühe Wegbereiterin der Frauenbewegung in Sachsen angesehen werden. Bedauerlicherweise blieb ihre Ehe mit Friedrich August kinderlos.

König Friedrich August II., der den liberalen Ideen gegenüber besonders aufgeschlossen war, wurde bereits in seiner Zeit als Prinz-Mitregent mit dem Liberalismus als einer wichtigen politischen Kraft des 19. Jh. konfrontiert. Mit großem Geschick verstand er es in engem Zusammenwirken mit seinem jüngeren Bruder Johann und seinem Staatsminister Bernhard August von Lindenau, die Verfassung von 1830/31 und die damit zusammenhängenden Reformgesetze zu verwirklichen. Diese politische Einstellung des Monarchen führte auch dazu, daß die Revolution 1830/31 im Königreich Sachsen in friedliche Bahnen gelenkt werden konnte.

Trotzdem blieben die Gegensätze weiter bestehen und traten nach der Vollendung dieses bedeutenden Reformwerkes offen zutage. Bis 1848 verstärkte sich die liberale Opposition fortlaufend und stellte besonders die Forderung nach Pressefreiheit, freier Bildung von Vereinen, Wahlreform, Öffentlichkeit und Mündlichkeit der Gerichtsverfahren und der Schwurgerichte, Verbesserung des Staatsorganismus, sowie Trennung der Justiz von der Verwaltung in den Mittelpunkt ihrer Agitation. Als Zentren der liberalen Bewegung traten das Vogtland und die Messestadt Leipzig besonders hervor.

Auf religiösem Gebiet wirkten sich diese Bestrebungen in der deutsch-katholischen Bewegung und der evangelischen Lichtfreunde aus. Wesentliche Beiträge leistete auch das Königshaus, das dem katholischen Glauben angehörte und deshalb zu Unrecht dem konservativen Lager zugerechnet wurde. So war es nur allzu verständlich, daß der Einfluß der Februar-Revolution in Paris 1848 sich auch auf Sachsen unmittelbar auswirken mußte.

Friedrich August II. und seine politischen Mitarbeiter erwarben das große Verdienst, daß sie diese revolutionären Unruhen in friedliche Bahnen lenkten und die erfolgreiche Reformpolitik von 1830/31 fortsetzten. Auf diese Weise kam es zu der unter dem Namen "Liberalter Umschwung" bekannten Entwicklung, die wiederum in erster Linie auf Initiative des Königs in friedlicher Weise gelöst werden konnte. Eine Ausnahme bildete nur die Dresdner Mai-Revolution 1849, die allerdings von außen gesteuert wurde; in diesem Zusammenhang ist an den Namen des russischen Anarchisten Michael Bakunin zu erinnern. Entscheidenden Anteil an dieser bis zu Beginn 1849 erfolgreichen Politik hatten neben Friedrich August auch die Mitglieder der im März 1848 berufenen liberalen Minister des Kabinetts Braun-Oberländer. Wohl das wesentlichste Ergebnis dieses Zusammenwirkens war die Verabschiedung eines liberal orientierten Wahlrechtes, das einen ersten Schritt in Richtung Demokratisierung des Königreiches Sachsen darstellte.

In die Regierungszeit Friedrich Augusts II. fallen auch die Anfänge einer Sozialen Bewegung in Sachsen. Diese für die weitere Entwicklung wichtige Problematik, die unter dem Begriff "Soziale Frage" überregionale Bedeutung erhielt, wurde durch die seit der Jahrhundertmitte verstärkt einsetzende Industrialisierung und die 1847 ausgebrochene Wirtschaftskrise maßgeblich beeinflußt. Ihren Höhepunkt erreichte diese Bewegung durch die auf dem Berliner Arbeiterkongreß vom 23. August bis 2. September 1848 ins Leben gerufene "Arbeiterverbrüderung" als erster gesamtdeutscher Zusammenschluß der deutschen Industriearbeiterschaft. Als Sitz des Zentralkomitees bestimmten die Delegierten die Messestadt Leipzig, weil im Königreich Sachsen größere politische Freiheiten bestanden als in Preußen. Diese Verhältnisse waren eine Folge der liberalen Einstellung Friedrich Augusts und seiner Vorgänger seit der Verfassungsreform 1830/31; nur so ist es zu erklären, daß in Sachsen neben dem politischen Liberalismus eine überregional bedeutsame soziale Bewegung entstand. Zum Vorsitzenden der genannten "Arbeiterverbrüderung" wurde Stephan Born bestimmt, der von Berlin nach Leipzig übersiedelte und als Redakteur gleichzeitig das Vereinsorgan "Die Verbrüderung" herausgab. Auf diese Weise wurde Leipzig auch zum ersten Mittelpunkt der frühen deutschen Arbeiterbewegung. Auch dafür gaben die liberalen Verhältnisse während der Regierungszeit von Friedrich August den Ausschlag. Bis 1854 konnte die Arbeiterverbrüderung ihre Tätigkeit fortsetzen. Erst am 13. Juli dieses Jahres verbot ein Beschluß des Deutschen Bundes sämtliche noch bestehenden Arbeiterorganisationen und Verbrüderungen, die politische, sozialistische oder kommunistische Zwecke verfolgten.

Bezeichnend ist, daß sich der sächsische Staat als Folge der Entstehung dieser Arbeiterbewegung mit ihren Zentren Leipzig und Chemnitz mit den aufgeworfenen sozialen und wirtschaftlichen Problemen des kleinen Handwerks und der Industriearbeiterschaft beschäftigen mußte. So rief die sächsische Staatsregierung damals eine "Vorbereitende Kommission für die Gewerbs- und Arbeitsverhältnisse" ins Leben. Die Aufgabe dieses Gremiums sollte es sein, die gerechte Leitung der Industrie im weitesten Sinn des Wortes durch eine neue gesetzliche Ordnung vorzubereiten. Gleichzeitig damit wurde die gewerblich tätige Bevölkerung in allen Landesteilen aufgefordert, lokale Ausschüsse zu bilden. Auf diese Weise entstanden 700 derartige Organe, deren Delegierte zunächst mit einigen Beamten und Sachverständigen zusammentraten, um den aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzten Bezirksausschüssen eine Reihe wichtiger gewerblicher Fragen und Probleme vorzulegen. Diese bildeten die Grundlage für die am 7. August 1848 unter dem Vorsitz des Präsidenten der Zweiten Kammer des Sächsischen Landtages Franz Xaver Rewitzer der aus München stammte, beginnenden Verhandlungen der auf 58 Mitglieder verstärkten Kommission auf Landesebene.

Der Initiator dieses Vorhabens war der Erlanger Nationalökonom, Sozialpolitiker und spätere sächsische Innenminister Albert Christian Weinlig, der allerdings auf den Plänen des Staatsministers Johann Paul von Falkenstein aufbauen konnte. Die Grundidee Weinligs bestand darin, eine wirksame Abwehr gegen die seit 1847 unvermindert andauernde Wirtschaftskrise zu schaffen. Wenn auch dieser Entwurf nicht in die Tat umgesetzt werden konnte, so handelte es sich doch "um die erste Gesetzesvorlage einer verantwortlichen Regierung für eine fakultative Betriebsvertretung in Deutschland" (Jürgen Teuteberg). Damit war ein wichtiger zukunftsweisender Schritt auf dem Weg zu einer modernen betrieblichen Mitbestimmung getan. Auf diese Weise wurde Sachsen auch zu einem wichtigen Initiator der entstehenden deutschen Gewerkschaftsbewegung. Mit diesen sozialen Problemen beschäftigte sich auch der jüngere Bruder des Königs Prinz Johann von Sachsen, der später als König diese sozialen und wirtschaftlichen Probleme in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses rückte. Die "Soziale Frage" wurde auf diese Weise zu einem entscheidenden Faktor der weiteren Entwicklung in Sachsen.

In kultureller Hinsicht setzte Friedrich August II. die Tradition seiner wettinischen Ahnen bewußt fort. Das galt vor allem für die Musik, als deren großer Freund sich der Monarch erwies. Daraus zogen Hofoper und Hofkapelle wesentliche Vorteile. Zu erwähnen ist besonders die Tatsache, daß der König 1842 den aus Leipzig stammenden Musiker und Dirigenten Richard Wagner als Hofkapellmeister nach Dresden berief, eine Stellung, die Wagner bis 1849 bekleidete. Erst durch die aktive Teilnahme an der Dresdner Mai-Revolution verlor der bisherige Hofkapellmeister seinen Posten und mußte Sachsen als politischer Flüchtling verlassen.

Auch der Bau des ersten Semperschen Opernhauses in Dresden verdankte dem Herrscher tatkräftige Förderung und Unterstützung. Desgleichen sammelte Friedrich August Bilder romantischer Maler - Ludwig Richter und Schnorr von Carolsfeld - und schuf auf diese Weise die Grundlage zu einer bedeutenden Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen, die später in das Eigentum des Prinzen Johann Georg von Sachsen überging. Leider ist das Schicksal dieser Sammlung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges weitestgehend unbekannt.

zum Kontext auf diesen Seiten

Orte der Wettiner: Die Königskapelle Brennbichl

Alpendrama: aus der Tiroler Tageszeitung

Geschichte des Hauses Wettin

König Friedrich August II. war auch ein großer Liebhaber der Natur und der Jagd. Aus diesem Grund unternahm er neun Reisen in das von ihm bevorzugte österreichische Tirol. Zum zehnten Mal besuchte er dieses Alpenland im August 1854, um sich dort von verschiedenen Krankheitserscheinungen zu erholen. Im Zuge dieser Reise kam er auch erstmals nach Brennbichl bei Imst - heute Gemeinde Karrösten. Dort übernachtete er vom 8. auf 9. August im "Gasthof Neuner", heute "Hotel Neuner". Am folgenden Tag brach er gegen 10 Uhr vormittags zu seinem schon lange geplanten Ausflug in das nahegelegene Pitztal auf. Doch schon kurz hinter Imst zwischen Brennbichl und der Inn-Brücke kippte der kleine Pferdewagen des Königs an einer Wegbiegung um, wobei er herausgeschleudert wurde. Er fiel so unglücklich, daß er dicht hinter das wild ausschlagende Pferd zu liegen kam. Durch einen Hufschlag wurde er am Hinterkopf so schwer verletzt, daß er sofort das Bewußtsein verlor. Mit Hilfe des Flügeladjutanten Robert Eduard von Zezschwitz und einheimischer Rettungsmannschaften trug man den schwer verletzten Monarchen in den "Gasthof Neuner". Der aus Imst herbeigerufene Arzt konnte das Leben Friedrich Augusts nicht mehr retten. Nach dem Empfang der katholischen Sterbesakramente verschied er am 9. August 1854 um 10.30 Uhr. Bis 13. August blieb der Leichnam in Brennbichl aufgebahrt. Noch heute erinnert das Sterbezimmer an diesen bedeutsamen Wettiner. Danach wurde der Leichnam im feierlichen Zug von Imster Schützen über den Fernpaß nach Bissenhofen bei Kempten gebracht. Von dort gelangte der Sarg mit einem Sonderzug der Bayerisch-Sächsischen Staatsbahn über Augsburg, Hof und Leipzig nach Dresden, wo der Leichnam am Abend des 15. August eintraf. Am darauffolgenden Tag fand die feierliche Beisetzung in der Gruft der katholischen Hofkirche statt.

Noch heute erinnert ein Denkmal im Stadtzentrum von Dresden an Friedrich August II. In Brennbichl wird durch die Königskapelle, die die Königin-Witwe Marie von Sachsen 1855 in neugotischer Bauweise errichten ließ, an Friedrich August II. und sein tragisches Lebensende gedacht.

Den noch erhaltenen Gästebüchern können wir entnehmen, daß von der Erbauung dieser Kapelle bis in die Gegenwart dieses kleine Stück Heimaterde inmitten der Tiroler Berge ein Mittelpunkt von zahlreichen Besuchern auch aus Sachsen und Thüringen darstellt.

 

München - Dresden, 1. August 2004

 

 

 
 

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