Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Ihre Königliche Hoheit
Elmira Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen

Kurfürst August von Sachsen unter besonderer Berücksichtigung von Schloß Augustusburg




 
 

Das Kurfürstentum Sachsen und sein Herrscherhaus Wettin-Albertinische Linie erlebten im 16. Jh. einen ersten Höhepunkt ihrer gemeinsamen Geschichte überhaupt. Wesentlichen Anteil daran besaß auch Kurfürst August von Sachsen (1526/1553-1586) , der in der Bergbaustadt Freiberg am 31. Juli 1526 das Licht der Welt erblickte.

Der Werdegang bis zur Thronbesteigung

1553 Kurfürst August von Sachsen war der zweite Sohn des Herzogs Heinrich des Frommen, der für die Geschichte der Albertinischen Lande dadurch bekannt wurde, daß er 1539 die Reformation Martin Luthers in seinem Herrschaftsbereich einführte. Die Mutter Augusts, Katharina von Mecklenburg, erwies sich deswegen als bedeutungsvoll, weil sie den Ausschlag dafür gab, daß die Reformation eingeführt wurde. Wichtig ist, daß August - wie bereits erwähnt - in Freiberg geboren wurde. Diese Tatsache wurde offenbar dafür entscheidend, daß dieser Wettiner sich während seiner gesamten Regierungszeit den Problemen der Wirtschafts- und Sozialpolitik aufgeschlossen zeigte. Beachtlich ist ferner, daß er, obwohl er dem evangelischen Glauben angehörte, in Prag am Hof des katholischen Habsburgers Ferdinand I. - dem jüngeren Bruder von Kaiser Karl V. - erzogen wurde. Während dieser Zeit trat August mit Ferdinands Sohn Maximilian, dem späteren Kaiser Maximilian II., in enge freundschaftliche Beziehungen. Diese Kontakte erwiesen sich auch für die weitere Politik Kursachsens als wichtig.

Nach dem Besuch der Universität Leipzig, wo Johann Rivius sein Lehrer und Berater wurde, nahm August 1541 nach dem Tode seines Vaters Heinrich gemeinsam mit seinem älteren Bruder Moritz die Erbhuldigung der Landstände der wettinischen Erblande entgegen. 1544 betraute ihn Moritz mit der Verwaltung des Hochstiftes Merseburg. Diese Tätigkeit legte August aber bereits 1548 nieder, um sich mit Anna von Dänemark - der Tochter König Christians III. - am 7. Oktober 1548 zu vermählen. Mit ihr verlebte er eine glückliche mit 15 Kindern gesegnete Ehe, die bis zum Tode der volkstümlichen Kürfürstin 1585 andauerte. Nach einer Trauerzeit von nur 6 Wochen verlobte sich August mit Agnes Hedwig von Anhalt, der Tochter des Fürsten Joachim Ernst von Anhalt. Die Hochzeit erfolgte am 3. Januar 1586. Im Auftrag seines Bruders Moritz verwaltete August mehrere sächsische Ämter und hatte bei dessen häufiger Abwesenheit die Regentschaft zu führen. Während dieser Zeit hielt er sich zumeist in Weißenfels auf und konnte dort weitere wichtige Kenntnisse für seine spätere Tätigkeit als Landesfürst gewinnen.

Erhaltung des religiösen Friedens

im Kontext

Bericht von der Gedächtnisfeier zur 450jährigen Wiederkehr der Schlacht von Sievershausen.

Herzog und Kurfürst Moritz von Sachsen (1521 - 1553)

Die Schlacht von Sievershausen

1553 folgte August seinem in der Schlacht bei Sievershausen gefallenen Bruder Moritz in der Regierung des wettinischen Kurfürstentums Sachsen. Trotz seines Bekenntnisses zum evangelischen Glauben unterstützte er die Habsburger Kaiser Ferdinand I. und Maximilian II. im Kampf gegen den streitbaren Calvinismus der Kurpfalz und um die Erhaltung des Friedens im gesamten Reich. Dem sächsischen Kurfürsten ist es entscheidend zu verdanken, daß am 25. September 1555 der Religionsfriede von Augsburg zustandekam. Dieser Friedensvertrag sicherte den katholischen und evangelischen Reichsständen endgültig die Kirchenhoheit - das "Jus Reformandi" - in ihren Territorien zu. Das bedeutete, daß der jeweilige Landesfürst die Religion seiner Untertanen bestimmen konnte. Dieser folgenschwere Grundsatz wurde in den bekannten Worten "Cuius regio, eius religio" zusammengefaßt.

Auf dem religiösen Sektor vertrat Kurfürst August ein ausgesprochen orthodoxes Luthertum und verfolgte aus diesem Grund auch die Anhänger Melanchthons, weil diese in der Abendmahlsfrage eine sich dem französisch-schweizerischen Calvinismus annähernde Auffassung vertraten. Auf Grund von umfangreichen Kirchenvisitationen erließ August am 1. Januar 1580 seine berühmte und weitläufige Kirchenordnung. Über dieselbe schreibt der Historiker Böttiger:

"Sie enthielt zugleich eine vollständige Agende. Damit es aber auch an einer allgemeinen Oberaufsicht über die Consistorien, Kirchen und Schulen nicht mangele, wurde das Meißner Consistorium nach Dresden verlegt und zum Oberconsistorium des Landes erhoben. Dietrich von Schleinitz wurde dessen erster Präsident mit 400 Gulden jährlichen Gehalts. Von dieser Behörde ging auch die Besetzung der landesherrlichen geistlichen Stellen, welche früher durch die kurfürstlichen Beamten geübt worden war, gingen die Visitationen und die jährlich zweimal zu haltenden Generalsynoden aus."

Seiner religiösen Überzeugung entsprang auch die Tatsache, daß er die evangelischen Reichsgrafen von Ortenburg in Niederbayern vor den Zugriffen der katholischen Wittelsbacher schützte, indem er vor dem Reichskammergericht für die Erhaltung ihrer Eigenständigkeit eintrat.

Aussöhnung mit den Ernestinern

Auch mit den ihm feindlich gesonnenen Ernestinern söhnte sich Kurfürst August durch dänische und kurbrandenburgische Vermittlung am 11. September 1553 aus. Als Folge davon schloß er mit Herzog Johann Friedrich von Sachsen-Weimar auf Veranlassung seines dänischen Schwiegervaters Christian den Vertrag von Naumburg. Auf Grund dieser Vereinbarung trat er die bisher kursächsischen Ämter Altenburg, Eisenberg, Sachsenburg und Herbisleben an die Ernestiner ab und sicherte ihnen eine finanzielle Entschädigung in Höhe von 100.000 Gulden zu. Diese Zahlung war als Ausgleich für die Verluste von 1547 gedacht, als die Ernestiner nach der Schlacht von Mühlberg die Kurwürde an die Albertiner verloren hatten und zu erheblichen Landabtretungen gezwungen waren. Künftige Streitigkeiten zwischen den beiden Linien des Hauses Wettin sollten durch ein eigenes Schiedsgericht geschlichtet werden. Desgleichen erneuerte der Kurfürst auch die damals schon bestehenden Erbverbrüderungen und Erbvereinbarungen mit Hessen, Kurbrandenburg und schließlich 1557 auch mit dem habsburgischen Böhmen. In die zuletzt genannte Vereinbarung ließ er auch die wechselseitige Förderung des Handelsverkehrs mit einbeziehen.

Territoriale Neuerwerbungen

Äußerst erfolgreich betrieb Kurfürst August von Sachsen auch die Frage territorialer Neuerwerbungen. So konnte er vor allem das 1547 verlorengegangene Vogtland für Kursachsen zurückerwerben und bildete aus diesem Gebiet 1577 den Vogtländischen Kreis. Schon 1559 gelang es ihm, von Burggraf Heinrich VI. von Reuß-Plauen die Herrschaft über Amt und Schloß Voigtsberg sowie die Städte Plauen, Oelsnitz und Adorf einschließlich einiger umgebender Dörfer als Pfand zu erhalten. Diese erwarb er 10 Jahre später im Wege der Erbschaft endgültig. In ähnlicher Weise gelangte er auch in den Besitz des Amtes Pausa im westlichen Vogtland. Schließlich erreichte er 1575 die Zustimmung zur Inbesitznahme dieser Herrschaften und Städte durch seinen Freund Kaiser Maximilian II. in dessen Eigenschaft als König von Böhmen, zu dessen Territorium diese vogtländischen Gebiete bisher als Lehen gehörten. Doch mußte sich August aus diesem Anlaß verpflichten, keine weiteren böhmischen Lehensbesitzungen unter seine Herrschaft zu bringen. Bedeutsam waren ferner die Neuerwerbungen Augusts im unmittelbaren Bereich, des Erzgebirges, d.h. jenes Gebietes, das damals Mittelpunkt eines weit über die Grenzen Sachsens hinaus bekannten Bergbaureviers war. So rang er beispielsweise 1559 der Adelsfamilie von Berbisdorf einen Teil ihrer Besitzungen ab und bildete aus diesen das Amt Lauterstein. Dafür erhielten die ursprünglichen Eigentümer eine finanzielle Entschädigung von 107.784 Gulden. Um dieselbe Zeit kaufte der Kurfürst von den Grafen von Schönburg Teile der Grafschaft Hartenstein für 146.000 Gulden. Unter diesen befanden sich die erzgebirgischen Ämter Crottendorf, Scheibenberg, Deutsch-Wiesenthal und Elterlein, wobei es sich vorzugsweise um Gegenden handelte, in denen der Erzbergbau noch eine Zukunft aufzuweisen hatte.

Auch im Norden des Kurstaates gelang es Kurfürst August 1577 durch den Erwerb des Besitzes der total verschuldeten vorderortischen Linie der Grafen von Mansfeld, die unmittelbare Beteiligung an diesen für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung Mitteldeutschlands wichtigen Bergbaurevier zu erlangen. Hier wurde bereits seit dem 13. Jh. Kupfer abgebaut. Interessant ist, daß die sächsischen Kurfürsten seit 1466 die Lehenshoheit über die Mansfelder Grafen ausübten und Kaufleute aus der Messestadt Leipzig seit 1510 als Teilhaber am dortigen Kupferbergbau aufschienen. Zur Verarbeitung des gewonnenen Kupfererzes entstanden zahlreiche Saigerhütten, deren wichtigste Standorte sich im heutigen Thüringen - in erster Linie im Thüringer Wald - befanden. Bekannt waren damals das zwischen Coburg und Saalfeld gelegene Gräfenthal, Steinach in Oberfranken und die heute im unmittelbaren thüringisch-bayerischen Grenzbereich gelegene oberfränkische Metropole Ludwigstadt. Zudem besaßen die aus Augsburg stammenden Fugger eine 1495 von ihnen gegründete Saigerhütte in Hohenkirchen in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Zisterzienserklosters Georgenthal bei Gotha. Erst wenn man diese Bedeutung des Mansfelder Kupferbergbaues und seiner Verarbeitungsstätten kennt, wird klar, warum sich Kurfürst August zu territorialen Neuerwerbungen in diesen wichtigen Bergbaugebieten entschloß. Zu erwähnen ist noch, daß das Augsburger Handelshaus Fugger eine Vertretung in der Messestadt Leipzig unterhielt, wodurch diese Stadt an der Pleiße auch eine wichtige Rolle im Handel mit Bergbauprodukten übernahm. Weiterhin ist interessant, daß Kurfürst August schon 1554 gemeinsam mit seinen Ernestinischen Verwandten die Grafschaft Henneberg im thüringisch-fränkischen Grenzraum erwerben konnte. Dieses Gebiet wurde bis 1660 gemeinsam von beiden Linien des Hauses Wettin verwaltet und dann zwischen den Albertinern und den Ernestinern aufgeteilt. Erwähnenswert ist, daß Teile der Grafschaft Henneberg noch im 16. Jh. an Kurhessen (Gebiet von Schmalkalden) und das Hochstift Würzburg/Ufr. fielen. Seitdem gehört bis in unsere Gegenwart herein ein erheblicher Teil der ehemaligen Grafschaft Henneberg zu Bayern.

Der sächsische Bergbau

Die aus Anlaß dieser territorialen Erwerbungspolitik sichtbaren Bindungen des Kurfürsten August zum sächsischen Bergbau wurden noch weiter vertieft, als er eine allgemeine Bergordnung veröffentlichen und damit in Kraft setzen ließ. Sie faßte die unter den Herzögen Georg dem Bärtigen, Heinrich dem Frommen und dem Kurfürst Moritz gegebenen oder bestätigten Vorschriften für den Bergbau zusammen und enthielt weitere Verbesserungen. Dazu heißt es in dieser Bergordnung wörtlich:

"Mit Rath und verständiger Bergleute Bedenken haben wir die bisher erfolgten Ordnungen und Befreiungen vor die Hand genommen, übersehen, zusammenfassen und mit etlichen nothwendigen Artikeln verbessern und, wie die ordentlicher Weise aufeinanderfolgen in Druck wiederum geben lassen - - ."

Schon der erste Artikel weist eindeutig darauf hin, welche Bedeutung der Kurfürst dem Bergbau als Wirtschaftsfaktor in seinen Erblanden für den Wohlstand des Volkes beilegte. Dazu schreibt Johannes Falke in seinem noch heute lesenswerten und grundlegendem Werk "Die Geschichte des Kurfürsten August von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung", veröffentlicht in Leipzig 1868:

"Derselbe (Kurfürst August) stellte nehmlich, weil in Kriegs- und sonst gefährlichen Zeiten viele Gewerke durch Einziehung ihrer Bergtheile auflässig gemacht und vom ferneren Betrieb desselben abgeschreckt waren, fest, dass den Gewerken weder im Krieg noch im Frieden Bergwerke und Theile genommen und einem Kläger nicht zu diesen, sondern nur zu der Person des Verklagten geholfen werden sollte, mit Ausnahme der Bergschuld für Zubusse und Hüttenkost; eine Confiscation der Bergtheile wegen einer Schuld oder eines Verbrechens des Eigenthümers sollte nie statthaben, sondern nur die Person von der Strafe getroffen werden."

Damit stellte August die Investoren für den Bergbau unter weitgehenden Schutz des sächsischen Staates und ermöglichte damit diesem Wirtschaftszweig eine günstige wirtschaftliche und soziale Zukunft. Desgleichen beinhaltete diese Bergbauordnung Schutzvorschriften für die Bergleute bei Gerichtsprozessen.

In den weiteren Bestimmungen wurde die bisherige Hierarchie der Bergbaubehörden neu festgelegt und bestätigt. Danach gab es eine Oberbergbehörde, die aus dem Oberberghauptmann, dem Oberbergmeister und dem Bergvogt bestand. Als untere Bergbehörden fungierten in den einzelnen Bergbaustädten der Bergmeister, die Geschworenen, der Zehntner, die Aussteller, die Gegenschreiber, die Bergschreiber, die Hüttenreuter, die Probierer, die Silberbrenner und die Marktschreiber, deren Amtsbefugnisse und Aufgabenbereiche neu definiert wurden.

In den weiteren Artikeln waren Vorschriften über den Abbau von Erzen, die Verwendung von Arbeitsmaterialien, die Beseitigung von Schlacken usw. enthalten. Ein großer Fortschritt bestand auch darin, daß in diesem Gesetzeswerk uns durchaus modern erscheinende sozialpolitische Vorschriften über die Dauer der Arbeitszeit und das Problem der Schichtarbeit aufgenommen waren.

Kurfürst August erwies sich bereits zu Beginn seiner Regierung als Verteidiger des Bergregals und wandte sich in diesem Zusammenhang gegen die Übergriffe des Adels. Deswegen verband er sich auch mit den neuen Kräften des Bürgertums und vor allem mit den Kaufleuten, um die Macht des Adels zu beschränken. Daneben suchte er sich mit dem Kaiser zu verständigen. Das war deshalb wichtig, weil die Habsburger in ihren Erblanden ähnliche Probleme in ihren Bergbaurevieren zu lösen hatten. Kurfürst August ging es vor allem um die bereits oben erwähnte Grundbestimmung der Bergbauordnung, die er vom Kaiser bestätigt haben wollte.

Der Begriff "Bergregal" deutet darauf hin, daß der sächsische Bergbau sich damals vorwiegend in kurfürstlicher Regie und damit in der Hand des Staates befand. Interessant ist auch die Tatsache, daß Kurfürst August zur gleichen Zeit durch den Berghauptmann des Erzgebirges Heinrich von Gersdorf, sowie den Kaufmann Dr. Ullrich Mordeisen ein Verzeichnis anfertigen ließ, in dem die Aufstellung der Bergämter und die Aufgaben der Bergmeister schriftlich festgehalten wurden. Dabei ist Mordeisen für unseren Zusammenhang deswegen wichtig, weil unter den im 15. und 16. Jh. aus der oberfränkischen Stadt Hof eingewanderten Kaufleuten zwischen 1491 und 1512 vier Vertreter der Familie Mordeisen sich befanden. Diese waren vorwiegend im Metall-, Kramwaren-, Tuch- und Lederhandel tätig Unter ihnen ist auch ein Ulrich Mordeisen - er besaß seit 1512 das Bürgerrecht in der Messestadt Leipzig - aufgeführt. Mit einiger Sicherheit können wir dabei annehmen, daß es sich bei diesem um den bereits erwähnten Dr. Ullrich Mordeisen gehandelt haben muß.

Damit taucht die bedeutungsvolle Frage der Beteiligung oberdeutscher Kaufleute im sächsischen Bergbau auf. Erste Nachrichten besitzen wir bereits aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Damals waren im Raum der Bergbaumetropole Freiberg Kaufleute aus Nürnberg, Augsburg und Regensburg als Inhaber von Kuxen, d. h. als Kapitalgeber bzw. Aktionäre vertreten. Unter ihnen finden wir Mitglieder der Nürnberger und Augsburger Linie des Handelshauses Welser. Auch im Buchholzer Bergbau waren neben den Wettinern, heimischen Kaufleuten, Mitglieder des Adels und der Geistlichkeit um 1540 Nürnberger Kaufleute als Inhaber von Kuxen beteiligt.

Oberdeutsche Kaufleute besaßen auch in Graupen im böhmischen Teil des Erzgebirges und im Bereich von Wolkenstein mit den Zentren Ehrenfriedersdorf und Thum bezüglich des Zinnbergbaues große Bedeutung.

Auch in Leipzig treffen wir auf Spuren von eingewanderten Kaufleuten aus Süddeutschland. So kennen wir aus dem Jahre 1525 eine Urkunde mit einer Abrede von Leipziger Kaufleuten und Gewerken von Thum, Ehrenfriedersdorf und Geyer über einen Zinnkauf auf 3 Jahre und der Gewährung eines zinslosen Verlages von 600 Gulden, In dieser Urkunde werden der aus Isny im Allgäu stammende Kaufmann Michael Puffler und der bereits bekannte Ullrich Mordeisen aus Hof als Bürger der Pleißestadt namentlich genannt. Letzterer tritt uns auch als Kapitalgeber der "Schützengesellschaft" entgegen. An dieser kaufmännischen Vereinigung waren auch Hieronymus Lotter aus Nürnberg und der schon erwähnte Michael Puffler aus Isny beteiligt. Außerdem ist der Kaufmann, zeitweilige Bürgermeister und Architekt Hieronymus Lotter zu nennen. Dieser lebte bereits 1560 in Geyer. Er stammte ursprünglich aus Nürnberg und betätigte sich dann in Leipzig, wo er neben seinem eigentlichen kaufmännischen Beruf auch Bürger und Baumeister war. Auf ihn gehen das heute als Stadtgeschichtliches Museum dienende Alte Rathaus der Messestadt Leipzig, das nach seinen Plänen und unter seiner Leitung 1556 in einer verhältnismäßig kurzen Bauzeit von nur neun Monaten errichtet wurde, die 1567 erbaute Pleißenburg, von der nur noch der Turm erhalten ist, während die übrigen Bauteile dem seit 1905 bestehenden Neuen Rathaus weichen mußten, sowie die noch in anderem Zusammenhang zu behandelnde Augustusburg zurück.

Für den Bergbau ist Lotter noch deswegen bedeutsam, weil er durch den Besitz des Zwitterstockes in Geyer unmittelbar an der Zinngewinnung beteiligt war. 1571 ließ er sich vom Kurfürsten August vom Zehnten und der Floßgebühr befreien, weil sein Bergwerk, wie es in einer darauf bezüglichen Urkunde wörtlich heißt, in "geringem Ansehen" gewesen sei, ehe er sich mit seinem Vermögen beteiligt hatte. Obwohl Lotter für sich und seine Erben um Erlaß aller Abgaben bat, stiegen die Verluste weiter an. Er sah sich daher gezwungen, von seinem Schwager Schlaggenhaufen einen Kredit von 5.400 Gulden aufzunehmen. Als er diese Summe nicht zurückzahlen konnte, mußte er Schlaggenhaufen den Zwitterstock übereignen. Das wurde so abgewickelt, daß Schlaggenhaufen weitere 2.000 Gulden in dieses Unternehmen investieren mußte und sich bis zur Schuldentilgung die Nutznießung vorbehielt. Im Endeffekt erging es jedoch Schlaggenhaufen gleich wie Lotter. Er mußte weitere 4.000 Gulden als Kredit aufnehmen. Als er diese Summe auch nicht zurückzahlen konnte, sah er sich gezwungen, dieses Bergwerk in Geyer an seine Gläubiger zu veräußern.

Ähnliche Kontakte bestanden ferner zum Zinnrevier von Altenberg im Osterzgebirge, wo schon Augusts Onkel Herzog Georg der Bärtige 1498 die "Gesellschaft des Zinnhandels" errichtet hatte. Dieser Gesellschaft verlieh Herzog Georg ein Monopolprivileg, das ihr ein Ankaufsmonopol in diesem Zinnrevier zusicherte. 2 Jahre später wurden deren Rechte durch kurfürstlichen Erlaß auf das gesamte Land ausgedehnt. Am genannten Zusammenschluß beteiligten sich die nach Leipzig eingewanderten Kaufleute Lorenz Mordeisen aus Hof und Heinrich Probst aus Willanzheim bei Iphofen in Unterfranken.

Auch im Falle der Beteiligung der in Leipzig tätigen oberdeutschen Kaufleute am Bergbau des Erzgebirges muß nochmals Ullrich Mordeisen als Gewerke bzw. Aktionär und Verleger in Buchholz erwähnt werden. 1541 besaß er fast 40 volle Kuxe in Annaberg, über 25 in Marienberg, 24 in Glashütte, 12 in Schneeberg und 8 in Freiberg. Auch sein Bruder Lorenz Mordeisen ist im Bergbaurevier von Buchholz urkundlich als Gewerke nachweisbar.

Förderung von Handel und Gewerbe

Diese umfangreiche Tätigkeit von süddeutschen Kaufleuten in Kursachsen erwies sich nur als möglich, weil Kurfürst August während seiner gesamten Regierungszeit darauf bedacht war, neben dem Bergbau verstärkt Handel und Gewerbe zu fördern. Bezeichnend für seine Einstellung ist die Tatsache, daß er 1581 einem Versuch des Rates der Stadt Leipzig, die bestehende Marktfreiheit durch Zulassung eines Arrestes für böswillige Schuldner zu begrenzen, entschieden entgegentrat. Desgleichen war er bestrebt, die wichtige Stellung der Pleiße-Stadt als Mittelpunkt des Handels nicht durch Verlegung bestehender Handelsstraßen oder Handelswege zu beeinträchtigen. Pläne dafür bestanden bereits seit 1548 aktuell dadurch, daß Kurfürst Joachim II. von Brandenburg bei Kaiser Ferdinand I. für die Idee warb, die Elbe mit der Oder unter Umgehung der Messestadt Leipzig durch eine Wasserstraße zu verbinden. Sowohl Kurfürst Moritz als auch sein Bruder Kurfürst August zeigten sich als Wahrer der Leipziger Handels- und Wirtschaftsinteressen, wobei Letzterer sogar die von seinem Brandenburgischen Nachbarn vorgeschlagene Aufhebung der Elbe-Zölle ablehnte. Zusätzlich setzte sich August insgesamt für eine freie Schiffahrt auf der Elbe ein und vertrat damit eine noch in der Gegenwart bedeutsame wirtschafts politische Maßnahme zur Handelsfreiheit. Der sächsische Kurfürst erwies sich damit als ein Vertreter der Freien Marktwirtschaft. Da er auch soziale Belange in seine Maßnahme einbezog, kann er sogar als ein früher Verfechter der im 20. Jh. von Ludwig Erhard propagierten "Sozialen Marktwirtschaft" bezeichnet werden.

Hingegen scheiterte dieser Wettiner mit dem kühnen und zukunftsorientierten Plan der Jahre 1579 und 1580, Leipzig zum Mittelpunkt des europäischen Pfefferhandels zu machen. Als Urheber desselben erwies sich der aus Augsburg stammende Kaufmann Konrad Roth, der bei dem damals von Lissabon beherrschten Handel nach Indien unmittelbar beteiligt war und verschiedene Vorräte an Gewürzen und Südfrüchten über Hamburg für die Hof- und Haushaltung bezogen hatte. Roth stand bei den Königen Sebastian und Heinrich von Portugal in hohem Ansehen und hatte von diesen Herrschern den Handel mit portugiesischem Pfeffer als ein Monopolprivileg erhalten. Auch daraus ist ersichtlich, daß Kurfürst August eine weit in die Zukunft blickende Wirtschafts- und Handelspolitik betrieb und daher auch in diesem Zusammenhang als ein bedeutender Vertreter des Freihandels und damit der Freien Marktwirtschaft bereits in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts bezeichnet werden kann.

Ähnliche Ideen vertrat Kurfürst August auch auf dem Sektor der Land- und Forstwirtschaft, sowie der Entwicklung des Gewerbes. Er erwies sich vor allem als ein ausgesprochener Förderer der Einführung von Veredelungsbetrieben, weshalb er auch die Einwanderung von gewerbetüchtigen Niederländern in seine Erblande unterstützte. Auf diese Weise wurden unter seiner Regierung in Kursachsen die beiden Textilbranchen Woll- und Tuchverarbeitung heimisch, wodurch die bisher kostspielige Wiedereinfuhr nach Sachsen überflüssig wurde. Diese Zweige der Textilwirtschaft entwickelten sich schon im 16. Jh. zu einer so großen Bedeutung, daß deren Produkte als sächsische Qualitätswaren weithin gesucht waren. Während der Regierungszeit Augusts wurde auch die Baumwollmanufaktur, für deren Gewebe in späteren Zeit allgemein der Begriff "Schleier" Anwendung fand, von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung des sächsischen Textilgewerbes und der sich daraus im 19. Jh. entwickelnden sächsischen Textilindustrie.

Von allergrößter Wichtigkeit erwies sich ferner die Einführung des Spitzenklöppelns im Jahre 1562, als deren Initiatorin Barbara Uttmann-Elterlein zu bezeichnen ist. Damit bestand erstmals in der neueren Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Sachsens die Möglichkeit, Frauen in den Wirtschaftsprozeß einzugliedern. Daher können wir Kurfürst August von Sachsen mit Recht als Förderer der Frauenemanzipation im modernen Sinn des Wortes bezeichnen. Noch heute ist das Spitzenklöppeln im gesamten Erzgebirge und in weiten Teilen des Vogtlandes verbreitet. Zu erinnern ist noch daran, daß dieser Zweig des Textilgewerbes deswegen bedeutsam wurde, weil der bisher vorherrschende Bergbau allmählich eine rückläufige Tendenz aufwies und damit das Spitzenklöppeln in der weiteren Entwicklung der sächsischen Volkswirtschaft zusätzliche Bedeutung erlangte.

Besondere Unterstützung erfuhren ferner die Posamentenindustrie im Raum von Annaberg im Erzgebirge und die Damastweberei von Großschönau in der Oberlausitz. So stellte Kurfürst August durch seine vorausschauenden Maßnahmen auf dem Sektor der Wirtschafts- und Sozialpolitik entscheidende Weichen für die Entwicklung Kursachsens und des späteren Königreiches Sachsen zu einem modernen Gewerbe- und Industrieland.

Rechtsordnung

Bedeutsam wurde auch bis weit in unsere Gegenwart der unter der Regierung des Kurfürsten August verfaßte "Codex Augusteus", der 1572 im Druck erschien und einer der ersten modernen Gesetzbücher auf Landesebene in Deutschland überhaupt darstellte. Weitere wichtige Gesetzesvorgaben, die wir seiner Regierungszeit verdanken, waren die Polizeiordnung von 1555, die Münzordnung von 1558 und die Forstordnung von 1560; in allen diesen Gesetzeswerken offenbarte dieser Wettiner eine genaue Kenntnis der Materie, eine ausgesprochene Liebe für Gerechtigkeit und ein Eintreten für die Erhaltung wohl erworbener Rechte früherer Zeiten. Daher wird Kurfürst August vielfach mit vollem Recht als "des Sachsenlandes Justinian" bezeichnet.

Kulturelle Entwicklung

Große Bedeutung besaß Kurfürst August von Sachsen auch für die kulturelle Entwicklung seiner Erblande. Damit setzte er das verheißungsvolle Erbe seines älteren Bruders Moritz fort, der 1547 Dresden zur kursächsischen Haupt- und Residenzstadt erhoben hatte. In der Elbe-Stadt ließ er das Zeughaus - das heutige Albertinum - vollenden und die Festungsanlagen unter Einbeziehung der Frauenkirche ausbauen. 1560 gründete er die Kunstkammer im Dresdner Schloß, die Vorgängerin der heutigen Gemäldegalerie Alte Meister und des Grünen Gewölbes. Unter seiner Zeit wurden in erster Linie Werke altdeutscher Meister, wie beispielsweise Lucas Cranach d. Ä. oder Albrecht Dürer, sowie Kuriositäten gesammelt.

Besonders erwähnenswert ist sein höfisches Festwerk, auf das der Volkskundler und Historiker Friedrich Sieber verweist, der übrigens schon in seinen darauf bezüglichen Forschungen den Begriff "Barock" verwendet. In dieser Beziehung wurde Kurfürst August offenbar durch frühere Vorbilder im burgundisch-österreichischen Raum - wie etwa der bekannten Hoffeste Kaiser Maximilian I. - angeregt. Dabei bezog August auch Motive aus dem Volksbrauchtum, in erster Linie aus dem schon damals aufblühenden Schützenwesen in den Städten, in seine Planungen ein. Eindrucksvoll müssen die prächtigen Ritterspiele aus Anlaß des Besuches von Kaiser Maximilian II. in Dresden gewesen sein.

In diesem Zusammenhang ist Johann Maria Nosseni (1544 - 1620) anzuführen. Dieser Künstler stammte aus Lugano im schweizerischen Kanton Tessin und stand seit 1575 als Hofbildhauer und Architekt im Dienst des Kurfürsten. Nosseni war es auch, der sich als Architekt fürstlicher "Inventionen" (Schöpfungen) betätigte. Dazu schreibt Helene von Nostitz:

"Zahllos sind die von ihm ersonnenen Inventionen. Mythologische und biblische Vorstellungen wechseln miteinander ab; inmitten heidnischer Frömmigkeit macht christlicher Ernst sich immer wieder geltend. Auch Gestalten des Alten Testamentes ziehen vorüber; der Riese Goliath schreitet zwischen wilden Männern einher, während Kurfürst August als David in einem Schlitten sitzt; sein Tournierpferd - denn ein Tournier muß doch oftmals noch das Fest beschließen - wird ihm nachgeführt. Als Musikkapelle folgen musizierende Affen, auf Ziegenböcken reitend. Bei einem anderen Feste erscheinen sogar der Papst und zwei Kardinale im Zuge, als Gefangene von Landsknechten eskortiert und von einem Chor musizierender Mönche begleitet. Der Kurfürst aber trägt Kreuz und Geißel; vor ihm schreiten Tod und Teufel ebenfalls gefesselt, von der Justitia beaufsichtigt. Die verächtliche Zurschaustellung des Papstes ist bezeichnend für die damalige Rom-feindliche Haltung, nicht nur der Bevölkerung, sondern auch des Fürstenhauses."

Diese zuletzt erwähnte Darstellung war nur möglich, weil der wettinische Hof zu Dresden keine Rücksicht auf die Kirche nehmen mußte, wie dies in katholischen Ländern sich im Zuge der Gegenreformation vielfach als notwendig erwies. Trotzdem konnten aber zu dieser Zeit die freundschaftlichen Kontakte zu katholischen Höfen, vor allem zu Wien, in freundschaftlicher Weise auf- und ausgebaut werden. Das erklärt sich, wie bereits erwähnt - aus der gemeinsamen Erziehung Kaiser Maximilian II. und des sächsischen Kurfürsten August in Prag, woraus sich eine lebenslange persönliche Freundschaft entwickelte. Diese Verbindungen wirkten sich zwangsläufig auch auf die Kultur positiv aus; in erster Linie galt dies für die Gestaltung der Dresdner Hoffeste, die während der gesamten Regierungszeit Augusts in regelmäßigen Abständen abgehalten wurden.

Nosseni war aber auch als Baumeister berühmt. Bekannt wurde er durch die Schöpfung der kurfürstlichen Begräbniskapelle im Freiberger Dom, die den protestantischen Wettinern von 1539 bis 1694 als Grabstätte diente. Besonders zu erwähnen ist in dieser Kapelle das kunsthistorisch einmalige Grabmal des Kurfürsten Moritz, auf dem Nosseni alle wichtigen Heldentaten und Lebenswerke des älteren Bruders von August darstellte.

In dieser Zeit entstanden auch Stall und Stallhof im Bereich des Dresdner Schlosses. Beide Bauwerke wurden 1586 begonnen und konnten bereits nach 2 Jahren von 2.000 Arbeitern vollendet werden. Der Stall erhob sich in zwei Stockwerken und einem hohen Dach mit zahlreichen Giebeln und hatte ein Tor nach der Augustus-Straße, zwei weitere Tore nach dem Jüdenhof und enthielt 28 Pferdestände. Die Außenfassaden waren, wie das Residenzschloß mit Sgrafitti verziert. Im Obergeschoß lagen vier fürstliche Gemächer mit Marmorfußböden, für die Nosseni außerdem um 1580 gefertigten runden Marmortisch 24 Stühle aus Serpentin mit Einlagen von Halbedelsteinen und den Initialen des Kurfürsten lieferte. Für die beiden Eckzimmer errichtete Walter Silbermann 1590 die beiden Berge oder Bergwerke aus Erzdrusen, die der Aufnahme eines kostbaren Trinkgeschirres dienten. Diese Anlage wurde noch ergänzt durch den "Langen Bau", der entlang der Augustus-Straße die Verbindung mit dem Georgenbau des Residenzschlosses herstellte. An seinem Ende befand sich das Jagdtor mit den Bildnissen von Andreas Walter. Wie sah dieses Bauwerk aus? Darauf gibt uns der Kunsthistoriker Woldemar von Seidlitz folgende Antwort:

"Das Erdgeschoß dieses 100 m langen Ganges bildete eine nach dem Hofe zu offene Bogenhalle auf 22 toskanischen Säulen mit Wappenschilden und Sgrafitto-Darstellungen von Pferden. Das Obergeschoß des Ganges erhielt abwechselndes Licht von beiden Seiten durch große Doppelfenster. Bereits 1589 malte dort der Hofmaler Heinrich Göding die 29 feinen kleinen Darstellungen der Turniere Kurfürst Augusts nach den Deckenfarben-Vorlagen, darüber wurden die lebensgroßen Bildnisse der sächsischen Fürsten angebracht, die später bis August III. fortgeführt wurden; über den Fenstern fanden dann noch 80 Hirschgeweihe zu 18 Enden ihre Aufstellung. Die Kassettendecke wurde um 1862 in schwächlichen Farben erneuert."

Die kulturelle Entwicklung am Dresdner Hof unter der Regierung des Kurfürsten August wäre nicht vollständig, wenn wir nicht auch die Hofmusik in unsere Betrachtung mit einbeziehen würden. In erster Linie ist dabei die durch Kurfürst Moritz erfolgte Gründung der Dresdner Hofkapelle, der heutigen Sächsischen Staatskapelle Dresden zu erwähnen. Dabei handelt es sich um eine noch in der Gegenwart in der deutschen und der europäischen Kulturwelt hoch angesehene Institution. Da die Hofkapelle damals noch "Hofkantorei" hieß, besitzt sie auch für die Geschichte des ebenfalls berühmten Dresdner Kreuzchores erhebliche Bedeutung.

Der erste bedeutsame Dirigent der neuen Hofkantorei war Johannes Walter (1496 - 1570) aus Groß-Pürschütz bei Kahla im Gebiet von Jena im heutigen Thüringen. Walter war bereits seit 1548 am kurfürstlichen Hof und zugleich an der Stadtkantorei in Torgau tätig. Auf Veranlassung Philipp Melanchthons wurde er nach Dresden berufen. Dort verfaßte er am 10. August 1548 einen Aufruf, der in allen wichtigen Städten Sachsens angeschlagen wurde und um Mitgliedschaft in der neuen Kantorei warb. Unter der großen Zahl von Bewerbern wählte er 19 aus, darunter 5 Studenten. Walter gab bereits 1524 in Torgau das "Wittenberger Geystlich-Gesangk-Bychlein" heraus eine Sammlung 4 - 5stimmiger Sätze. Es ist noch heute weitgehend die Grundlage des evangelischen Kirchengesanges. Nach zahlreichen Liedkompositionen kam 1550 seine Matthäus-Passion heraus, die von Samuel Besler 1612 als das Urbild der protestantischen Choralpassion bezeichnet wurde. Schließlich erschien 1566 die gewaltige Komposition des "Ersten Psalmes". Diese ist das einzige Werk, das von diesem engen Mitarbeiter Martin Luthers vollständig erhalten blieb. In neuerer Zeit wurde das musikalische Lebenswerk Walters besonders durch den Dresdner Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger gepflegt und damit der Nachwelt erhalten.

Walters Nachfolger war der Flame Matthäus leMaistre, der 1552 bereits als Kapellmeister am Dom in Mailand wirkte. 1568 wurde er durch den italienischen Musiker Antonio Scandello (1517 - 1580) aus Brescia abgelöst, der bis zu seinem Tode 1580 in Dresden die Tätigkeit eines Hofkapellmeisters ausübte. Damit war das höfische Musikleben der sächsischen Haupt- und Residenzstadt Dresden einschließlich der Hofkapelle unter italienischen und niederländischen Einfluß geraten. Nur die Sängerschaft setzte sich vorwiegend aus einheimischen Kräften zusammen. Dieser Zwiespalt machte sich beim Tode Scandellos bemerkbar. Dessen Nachfolger, der Genuese Giovanni Baptista Pinelli de Gerardis, mußte sich verpflichten, aus seiner katholischen Überzeugung keinen Gewissenszwang auszuüben. Pinelli war 36 Jahre alt, als er nach Dresden kam. Zuvor betätigte er sich als Domkantor in Vicenza und als Musiker am kaiserlichen Hof in Innsbruck bzw. Wien.

Interessant ist ferner die Tatsache, daß Kurfürst August zu dieser Zeit den Niederländer Orlando di Lasso (1532 - 1594), der seit 1556 der bayerischen Hofkapelle angehörte und 1560 Hofkapellmeister in München geworden war, für Dresden gewinnen wollte. Verhandlungen über diesen weitblickenden Plan des Kurfürsten August von Sachsen fanden statt, scheiterten offenbar daran, daß Lasso seine Tätigkeit weiter in München ausüben wollte. Dafür wurde Pinelli für Dresden gewonnen.

Dessen Nachfolger wurde ein nicht näher bekannter Musiker aus Annaberg mit Namen Förster oder Forster. Doch scheint diese Periode nicht allzu lang gedauert zu haben, denn schon 1575 machte erneut ein Niederländer in Dresden von sich reden und zwar Rogier Michael aus Mons im heutigen Südbelgien, der vor 1574 als Altist am Hofe der Hohenzollern in Ansbach wirkte und im dortigen Musikleben einige Bedeutung erlangte. Rogier Michael war seit 1575 in Dresden tätig und bekleidete bis in sein hohes Alter das Amt des Hofkapellmeisters. Wann er allerdings dieses Amt erhielt, ist nicht genau zu ermitteln. Es muß aber um 1590 der Fall gewesen sein, da Förster 1584 den Dresdner Kapellmeisterposten erhielt und ihn nach den Forschungen von Hans Schnoor insgesamt sechs Jahre ausübte. Rogier Michael hinterließ der Nachwelt ein bedeutsames musikalisches Lebenswerk, das hauptsächlich der Kirchenmusik gewidmet war. Dazu gehörten das 1602 entstandene Werk "Geburt unseres Herrn Jesu Christi" für Chor und Tenor-Solo und schließlich als bedeutendste Komposition der zweite Teil des "Dresdner Gesangbuches" mit schlichten vierstimmigen akkordisch bestimmten Choralsätzen an der Wende vom 16. zum 17. Jh. Die Dresdner Hofkapelle führte damals hauptsächlich Motetten, deutsche Lieder und Messen auf, aber auch zeitgenössische Kompositionen von Meistern wie Senfl, Isaac und Rener. Die Musikentwicklung wurde außerdem durch die zahlreichen Hoffeste gefördert, in deren Rahmen meist zeitgenössische Musikinstrumente gespielt wurden und sogar Musikkapellen oder Musikzüge teilnahmen, wie dies Bildwiedergaben aus den Inventionen von 1591 und 1609 beweisen.

Schloß Augustusburg

Einen Höhepunkt der Regierungszeit des Kurfürsten August stellte der Bau des nach ihm benannten Schlosses Augustusburg dar. Die Bautätigkeit der Wettiner prägte damals in entscheidender Weise die Entwicklung des neuzeitlichen Schloßbaues im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Dazu schreibt Britta Günther:

"Sie wurde in der Zeit zwischen 1470 und 1570 von keinem anderen Fürstenhaus weder an Umfang noch an künstlerischer Bedeutung übertroffen. Die Bauten zeigten nicht nur politischen Rang und Anspruch der Wettiner, sondern auch ihre wirtschaftliche Leistung durch ihren direkten Anteil an den Gewinnen des erzgebirgischen Silberbergbaues."

Eingeleitet wurde diese Reihe der glanzvollen Bauten mit der Errichtung der Albrechtsburg in Meißen, die bekanntlich durch die Brüder Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht den Beherzten in Auftrag gegeben und durch Arnold von Westfalen begonnen wurde. Bedingt durch den Wechsel der Kurwürde 1547 von der Ernestinischen auf die Albertinische Linie des Hauses Wettin kam es unter Augusts älterem Bruder Moritz zu einem Um- und Erweiterungsbau des Dresdner Residenzschlosses. Durch diese bauliche Maßnahme betonten die Albertiner ihren Rang als Kurfürsten und den Anspruch innerhalb der Hierarchie des Heiligen Reiches. Diese Linie setzte Kurfürst August entschieden fort. Ihm verdanken wir unter seinen 50 Schlössern und Jagdhäusern auch das 1568 bis 1572/73 erbaute Schloß Augustusburg, dessen Errichtung eng mit den sog. Grumbachsehen Händeln verbunden war, als deren Folge die Albertiner ihre neu erworbene Kurwürde gegenüber den Ernestinern behaupten konnten.

Wie bereits ausgeführt, betraute Kurfürst August den aus Nürnberg stammenden Leipziger Kaufmann, Ratsherrn, zeitweiligen Bürgermeister und Architekten Hiernonymus Lotter mit dieser bedeutsamen Aufgabe. Er erhielt nicht nur den Auftrag des Kurfürsten, die bisher bestehende mittelalterliche Burg Schellenberg abzutragen, sondern auch den Neubau zu planen und zu errichten. Eine besonders wichtige Aufgabe bestand für ihn darin, daß er neben den architektonischen Probleme alle finanziellen Einnahmen und Ausgaben zu überwachen hatte. Um die Bauarbeiten und die damit verbundenen finanziellen Probleme besser überwachen zu können, bewohnte Lotter zunächst das Torhaus der Burg Schellenberg in unmittelbarer Nähe der heutigen Schloßkirche. Als auch dieses Torhaus abgebrochen werden sollte, erwarb er am 30. September 1567 ein Grundstück im unmittelbaren Bereich der Stadtkirche von Schellenberg, heute Stadt Augustusburg, und errichtete dort für sich ein noch gegenwärtig nach ihm benanntes Haus, das "Lotter-Haus". Mit Baubeginn wurde Lotter vom Kurfürst zum obersten Baumeister ernannt. In enger Verbindung zwischen dem wettinischen Bauherrn und dem Architekten wurden die Planungen konkretisiert und danach mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen. Der Grundstein wurde am 30. März 1568 gelegt. August überzeugte sich wiederholt bei persönlichen Besuchen vom Fortgang der Arbeiten und setzte sich für den Bau von Holztürmen auf jedes Eckhaus ein.

Der Bau der Schloßkirche wurde im April 1569 in Angriff genommen. Bereits im August 1571 war dieses Gotteshaus so weit fertiggestellt, daß - abgesehen von kleineren Arbeiten - nur noch das Inventar fehlte. Als Vorbild für diesen Kirchenbau diente die Schloßkirche von Hartenfels in Torgau. Das Augustusburger Gotteshaus wurde schließlich durch den Hofprediger Philipp Wagner eingeweiht. Ein besonderes Schmuckwerk stellt der Altar - eine Auftragsarbeit des Kurfürsten an Lucas Cranach d. J. - dar. Dieser bildete auf dem Hauptgemälde den Kurfürsten mit seiner Gemahlin Anna von Dänemark und allen seinen Kindern ab. Dazu schreibt wieder Britta Günther:

"Der Gekreuzigte ist in die obere Hälfte des Bildes gesetzt worden. Vor ihm kniet die fürstliche Familie in reich geschmückten Gewändern im Gebet. Links befindet sich Kurfürst August mit seinen Söhnen und rechts die Kurfürstin mit den Töchtern. Der Künstler hat alle Kinder des Kurfürsten, die bis zur Fertigstellung des Gemäldes 1571 geboren waren, dargestellt. Die bereits verstorbenen 6 Söhne und 3 Töchter haben in typischer Manier ein Kreuz um den Hals, um sie von den noch Lebenden zu unterscheiden. Die Gesichter der Dargestellten tragen weich runde Züge und im Wesentlichen die gleiche Physiognomie."

Im unteren Teil des Altars finden wir eine dreiteilige Inschrift zu je 16 bzw. 15 Zeilen angebracht. Diese wurde auf Anweisung des Kurfürsten August von dem Wittenberger Professor Georg Major verfaßt. In lateinischer Sprache wird Bezug genommen auf die bildliche Darstellung: Kurfürst August als gewaltiger Herrscher und Beschützer der wahren Religion, Kurfürstin Anna als keusche, tüchtige Gattin und fromme, tugendhafte Frau.

Auch die Kanzel mit Kanzelkorb und zeitgenössischen Darstellungen der Passionsgeschichte einschließlich der Auferstehung Christi ist ebenfalls ein Auftragswerk Augusts. Dagegen ist die Orgel ein Werk des 19. Jahrhunderts, das 1972 einer grundlegenden Restaurierung unterzogen wurde. Am 19. Juni 1992 wurde diese Orgel mit einem festlichen Konzert eingeweiht.

Bemerkenswert ist auch der Hasensaal, dessen Ausmalung Heinrich Göding (1531 - 1606) im Auftrag des Kurfürsten August vollzog. Göding war ein Schüler Lucas Cranach d. J. und gilt heute als der letzte bekannte Träger sächsischer Traditionen in der Renaissance-Malerei. Der Name dieses Saales geht auf die Hasenmalereien zurück. Als deren geistiger Urheber gilt der Kurfürst persönlich. Die Hasenbilder zeigen uns Motive einer "Verkehrten Welt". Das bedeutet, daß die Hasen menschliche Funktionen ausüben. Dazu Britta Günther:

"In allen nur denkbaren Formen werden menschliche Tätigkeiten vorgeführt: Ein Gerichtstag der Hasen, der Krieg der Hasen gegen die Jäger, das siegreiche Treiben im Hasenreich nach einem erzwungenen Sieg bis hin zum Strafgericht der Jäger über die Hasen Sogar das absurdeste aller Abenteuer mit einem Hasen, die Geschichte von den sieben Schwaben, hat Heinrich Göding geschildert: Sie tragen einen gewaltigen Spieß und wollen gegen ein vor ihnen stehendes Hasenungeheuer vorgehen. Diese Malerei in der Augustusburg ist die früheste Darstellung dieses Schwankes."

Kurfürst August und Heinrich Göding wollten damit offenbar eine Lanze für die noch heute immer hervorgehobene "gute alte Ordnung" brechen, aber auch deren sie bedrohende Gefahren darstellen.

Eine ähnliche bildliche Wiedergabe Gödings finden wir im 2. Stock des Hasenhauses mit der Darstellung der Sage vom Venusberg; auch hier wiederum ein Auftragswerk des Kurfürsten August.

Diese wenigen Beispiele zeigen uns, daß Schloß Augustusburg trotz zahlreicher Veränderungen in den folgenden Jahrhunderten noch immer ein wichtiges Kultur-Dokument der Zeit des Kurfürsten August darstellt. So ist in Fortführung dieser verpflichtenden Traditionen die museale Gestaltung dieses Schlosses von größter Bedeutung. Das gilt besonders für die sehenswerte Schau über Leben und Werk dieses Vertreters des Hauses Wettin-Albertinische Linie aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Zusammenfassende Würdigung

Insgesamt können wir sagen, daß Kurfürst August, der noch in unserer Zeit unter dem liebevollen Namen "Vater August" bekannt ist, mit Recht zu den markantesten Persönlichkeiten der frühen neuzeitlichen Geschichte Sachsens und des Hauses Wettin-Albertinische Linie gerechnet werden. Auf Grund seiner noch durchaus aktuellen Stellungnahmen zu Problemen der Sozial- und Wirtschaftspolitik darf er mit vollem Recht als "Erster Volks- oder Staatswirt Sachsens" bezeichnet werden. Sein Lebenswerk ist aber nicht denkbar ohne seine erste Gemahlin Anna von Dänemark - liebevoll genannt "Mutter Anna" -, die uns vor allem als Gründerin der ersten Dresdner Hofapotheke geläufig ist. Mit ihrem Namen untrennbar verbunden ist zudem das nach ihr benannte Schloß Annaburg im ehemaligen Kurkreis Wittenberg, heute Sachsen-Anhalt. Das für sie errichtete Denkmal befindet sich heute im Annenfriedhof von Dresden, sollte aber umgehend an einem zentralen Platz der sächsischen Landeshauptstadt neu aufgestellt werden. Kurfürst August und Kurfürstin Anna gehören somit zu den wichtigsten Persönlichkeiten Sachsens, Deutschlands und Europas im ausgehenden 16. Jh. Mit Recht leben sie bis heute im Bewußtsein des sächsischen, deutschen und europäischen Raumes fort.

 

 

Quellen- und Literaturhinweise:

Falke, Johannes Die Geschichte des Kurfürsten August von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung, Leipzig 1868
Fischer, Gerhard Aus zwei Jahrhunderten Leipziger Handelsgeschichte, Leipzig 1929
Günther, Britta Schloß Augustusburg, Edition Leipzig, Leipzig 2000
Herrmann, Johannes Moritz von Sachsen (1521 - 1553) - Landes- und Reichsfürst, Beucha 2003
Nostitz von, Helene Festliches Dresden - Die Stadt August des Starken, Frankfurt/Main 1962
Sachsen Herzog zu, Albert Das Haus Wettin und die Entwicklung des Musiklebens in Dresden, in: Blätter für Sächsische Heimatkunde Nr. 1/2, München 1978
Sachsen Herzog zu, Albert Die Albertinischen Wettiner - Geschichte des Sächsischen Königshauses 1763 - 1932, Gräfelfing bei München 1995 (3. Auflage)
Sachsen Herzog zu, Albert Die Wettiner in Lebensbildern, Graz - Wien - Köln 1995
Sachsen Herzog zu, Albert (Hrsg.) Die Wettiner in Sachsen und Thüringen, Dresden 1996
Sachsen Herzog zu, Albert - Sachsen Herzogin zu, Elmira Das Haus Wettin und die Beziehungen zum Haus Nassau-Luxemburg, Bad Emser Hefte Nr. 233, Verein zur Geschichte, Denkmal-und Landschaftspflege e. V., Bad Ems 2003
Schnoor, Hans Vierhundert Jahre Deutsche Musikkultur, Dresden 1948
Schnoor, Hans Die Stunde des Rosenkavalier - Dreihundert Jahre Dresdner Oper, München 1968
Seidlitz von, Woldemar Die Kunst in Dresden vom Mittelalter bis zur Neuzeit - Erster Band 1464 - 1625, Dresden 1921
Sieber, Friedrich Volk und Volkstümliche Motivik im Festwerk des Barock, dargestellt an Dresdner Bildquellen, Berlin 1960
Sieber, Werner Schloß Augustusburg Sachsen, Augustusburg o. J. (1991/2?)
Verein f. Heimatgeschichte u. Denkmalpflege Annaburg (Hrsg.) Jagdschloß Annaburg - Eine geschichtliche Wanderung, Horb/Neckar 1994
   
   

(Dieser Text wurde am 27. September 2003 in Eppendorf, Hotel Prinz Albert, als Vortrag bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Studiengruppe für Sächsische Geschichte und Kultur e. V. mit der "Schützengesellschaft von Eppendorf 1880 e. V., der Stadtgemeinde und dem Heimatverein gehalten.)

 

 
 

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