Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Herzog und Kurfürst Moritz von Sachsen
(1521 - 1553)




 
 

Eines der sehenswertesten, und berühmtesten Bauwerke Sachsens ist der mittelalterliche Dom der Bergbaustadt Freiberg im Erzgebirge. In seinem Inneren befindet sich hinter dem Hochaltar die Begräbnisstätte der seit 1539 evangelischen Albertiner. Wohl das sehenswerteste Grabmal mit der Darstellung der kriegerischen Taten erinnert an einen der bedeutendsten Wettiner der Reformationszeit. Dabei handelt es sich um Herzog und Kurfürst Moritz von Sachsen, der in gleicher Weise militärische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Fähigkeiten in seiner Person vereinigte und diese seinem Land und Volk dienstbar machen konnte.

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Kurfürst Moritz von Sachsen
Holzschnitt von Lucas Cranach d. J.

Moritz wurde am 21. März 1521 in Freiberg als Sohn Herzog Heinrichs des Frommen von Sachsen und seiner Gemahlin Katharina von Mecklenburg geboren. Damit fiel dieses wichtige Ereignis vier Jahre nach Martin Luthers berühmten Thesenanschlag an der Schloßkirche zu Wittenberg im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt. Zu bemerken ist noch, daß seine Mutter Katharina maßgebend zur Einführung der Reformation im Albertinischen Sachsen beitrug. Moritz heiratete am 9. Januar 1541 Agnes von Hessen (1527-1555), eine Tochter des Landgrafen Philipp I. von Hessen (1504-1567). Aus dieser Ehe stammte eine einzige Tochter mit Namen Anna (1544-1577), die am 24. August 1561 Wilhelm I., Fürst von Oranien, Grafen von Nassau einen Sohn des Fürsten Wilhelm I. von Oranien-Dillenburg heiratete. Moritz selbst fiel 1553 in der Schlacht bei Sievershausen im Kampf gegen Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach.

Über die Charaktereigenschaften von Moritz schreibt Prinz Friedrich Christian von Sachsen, Markgraf von Meißen, mein verehrter Vater:

"In dem Enkel des Gründers unserer Albertinischen Linie, der die Reichsexekutive gegen die aufständischen Friesen leitete und dabei in Emden vom Tod ereilt wurde, Albrecht den Beherzten und seiner frommen Gemahlin Zdenka von Böhmen, der Tochter König Podiebras, und in dem Sohne der willensstarken und listenreichen Katharina von Mecklenburg lebten alle diese Eigenschaften, die getragen von einer gewissen Rastlosigkeit. Sie trieb ihn schon in wenigen Jahren zu einem hochgesteckten Ziel: Die Macht durch Erwerb von Landbesitz und reicher Geldmittel zu gewinnen. Sie war ihm aber nicht nur Selbstzweck, sondern wohl auch Mittel, die wahre Kultur zu fördern. So gründete er die Fürstenschulen - Stätten hoher humanistischer Bildung - und dann das berühmte Orchester, das damals bis 1918 Hofkapelle hieß, weil es zunächst den Gottesdienst zu begleiten hatte. Es bleibt allerdings nur schwer zu beurteilen, inwieweit diese kulturelle Wirksamkeit seinen eben erst gewonnenen Mittelstaat zusammenfügen sollte oder reiner Hingabe an die Kultur entsprang. Höchstwahrscheinlich war es eine Mischung von beiden. In wenigen Jahren hat er viel erreicht. Über seine letzten Ziele wissen wir einiges, aber der Schlachtentod hat doch einen Schleier darüber gebreitet."

Im Alter von 20 Jahren erbte Moritz von seinem Vater Heinrich dem Frommen, der bekanntlich zum evangelischen Glauben übergetreten war, und ihn auch in diesem Sinne erzogen hatte, das Albertinische Sachsen. Moritz zeigte gleich nach seinem Regierungsantritt einen ausgesprochenen Charakterzug zur Selbständigkeit des Urteils und der Entschlußkraft. Als sein Ernestinischer Vetter, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, als Haupt des Bundes evangelischer Fürsten, sowie die Reichsstadt Frankfurt am Main ihn ersuchten, diesem Bündnis beizutreten, lehnte Moritz ab, da dies seinen Machtplänen widersprach. Sein Ziel bestand darin, das Herzogtum Sachsen von einem verhältnismäßig unbedeutenden mittelstaatlichen Fürstentum zu einem wichtigen Machtfaktor mit ansehnlichem Länderbesitz werden zu lassen. Das war aber nur möglich, wenn er sich dem Kaiser, der zum Schlag gegen die Schmalkaldener ausholen wollte, zur Verfügung stellte. In aller Stille verhandelte er daher durch seinen Kanzler von Carlowitz mit Grandville, der rechten Hand Kaiser Karls V. Damit erreichte Moritz, daß er mit der Reichsexekution gegen seinen kurfürstlichen Vetter Johann Friedrich betraut wurde. Bei dieser Gelegenheit erhielt er die Zusicherung, daß ihn der Kaiser mit eigenen Truppen unter dem Oberbefehl des Herzogs von Alba unterstützen würde. Karl V. selbst erschien inmitten der verbündeten Truppen und betonte auf diese Weise die Bedeutung, die er der Durchführung der Reichsacht beimaß.

Das kursächsische Heer unterlag am 24. April 1547 dem konzentriert von Herzog Moritz geleiteten Angriff nördlich von Mühlberg an der Elbe, wobei Kurfürst Johann Friedrich in Gefangenschaft geriet. Kurz darauf mußte auch die Haupt- und Residenzstadt Wittenberg am 25. Mai 1547 vor Moritz kapitulieren. Auf Grund dieses großartigen Sieges erhielt Herzog Moritz fast den gesamten Landbesitz seines besiegten Vetters Johann Friedrich einschließlich der Kurwürde. Diese verblieb von nun an bis zum Ende des alten Reiches 1806 im Besitz der Albertiner. Zugleich verstand es Moritz, die kaiserlichen Söldner fest an sich zu binden, indem er die Notwendigkeit betonte, die Stadt Magdeburg als Bollwerk des Schmalkaldischen Bundes und damit der evangelischen Richtung in Deutschland in seine Gewalt zu bringen. Er mußte aber auch bedenken, daß er als Kurfürst von Sachsen im Rahmen der evangelischen deutschen Fürsten eine besondere Rolle zu spielen hatte. Daher entschloß er sich, die Stadt Magdeburg schonend zu behandeln.

Bemerkenswert ist, daß diese wichtige Elbe-Stadt fast kampflos in seine Hand geriet. Ihre Bevölkerung gewann er dadurch, daß er ihr eine milde Behandlung zuteil werden ließ. Auch den Schmalkaldenern gegenüber wurde er sympathischer, weil er eine konziliante Haltung des Kaisers seinem Vetter Johann Friedrich gegenüber erwirkt hatte.

Nach der Einnahme Magdeburgs bestand die günstige Gelegenheit, die kaiserlichen Söldner zu entlassen. Doch verstand es Moritz, dem Kaiser begreiflich zu machen, daß sich diese Söldner ausruhen und im sächsischen Raum Winterquartiere beziehen müßten. In Wirklichkeit beabsichtigte der sächsische Kurfürst, mit ihrer Hilfe einen Überfall auf die dem Kaiser treu gebliebenen schwäbischen Reichsstädte Ulm und Augsburg zu unternehmen. Dort wollte er offensichtlich die Banken der Fugger und Welser in seine Hand bekommen, um die notwendigen Mittel finanzieller Art für seine weiteren politischen Pläne zu erhalten. Um aber ganz sicher zu gehen und die Söldner zu bezahlen, verhandelte er gemeinsam mit evangelischen Fürsten mit dem französischen König in Schloß Friedewalde in der hessischen Rhön. Für die Überlassung der heute im französischen Sprachraum liegenden Reichsstädte Metz, Toul, Verdun und Cambrai, die Karl V, wegen der großen militärischen Übermacht von Moritz nicht schützen konnte, erhielt dieser von Frankreich eine für damalige Verhältnisse hohe Summe von ca. 300.000 Kronen als Subsidienzahlung. Durch diese folgenreiche Maßnahme übernahm Kursachsen die Verantwortung für die Verschiebung der französischen Grenze nach Osten, die schließlich im 17. Jh. mit der Besetzung des Elsaß den Rhein erreichte.

 
Unterschrift von Herzog Moritz 1545:
M
oritz Herzog zu Sachssen
manupropria scripsit
(=mit eigener Hand geschrieben

Der Angriff von Moritz gegen Ulm richtete sich - wie bereits erwähnt - gegen eine blühende und durch die Textilindustrie reich gewordene Stadt; der gegen Augsburg weniger gegen den kranken und stets geldbedürftigen Kaiser als gegen dessen Bankiers. Kaiser Karl V. und die Fugger entkamen - rechtzeitig gewarnt - über Innsbruck und Bozen nach Klagenfurt. Der sächsische Kurfürst veranlaßte nun den Kaiser im Passauer Vertrag vom 2. August 1552, der evangelischen Konfession volle Religionsfreiheit bis zum letzten Reichstag zu gewähren und die Freilassung der in kaiserlicher Haft befindlichen Führer des Schmalkaldischen Bundes zuzusichern. Dadurch gewann der Wettiner an Prestige unter den evangelischen Fürsten, besonders bei Kaiser Ferdinand I., der wegen der bevorstehenden Kaiserwahl gute Kontakte zu den evangelischen Reichstädten angebahnt hatte.

Bei Anwesenheit fast aller Kurfürsten und zahlreicher geistlicher und weltlicher Würdenträger des Reiches wurde dieser Vertrag in der ostbayerischen Donau-Metropole feierlich unterschrieben.

In dieser Zeit zeichnete sich jedoch bereits ein neuer Konflikt zwischen Kurfürst Moritz von Sachsen und Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach ab. Dieser Vertreter der fränkischen Linie des Hauses Hohenzollern trieb nicht nur in Franken, sondern auch in Norddeutschland sein Unwesen. So zog er plündernd mit seinen Söldnern umher und spezialisierte sich auf Überfälle von Geldtransporten. Als Albrecht einen ähnlichen Plan mit der Stadt Braunschweig umsetzen wollte, erfuhr Moritz von diesem Vorhaben und stellte sich dem räuberischen Hohenzollern bei Sievershausen in Niedersachsen mit sächsischen Truppeneinheiten entgegen. Trotzdem gelang Albrecht der Durchbruch in Richtung Braunschweig. Erneut stellte sich Moritz mit seiner Infanterie entgegen. Es kam nun zu einem mörderischen und für beide Seiten verlustreichen Kampf, der mit damals sehr modernen Waffen in Form unserer heutigen Revolver ausgetragen wurde. Dabei handelte es sich um Schußwaffen, die aus nächster Nähe abgefeuert wurden und mit ihren Kugeln schwere und meist tödliche Verwundungen verursachten. Ein derartiges Geschoß traf auch Kurfürst Moritz und führte zu seinem frühzeitigen Tod. Damit endete schon in verhältnismäßig jungen Jahren das Leben dieses bedeutenden Wettiners der Reformationszeit.

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Der tödlich verwundete Kurfürst Moritz in der Schlacht bei Sievershausen
Lithographie 1834

Kurfürst Moritz von Sachsen war nicht nur ein bekannter Politiker und Militärführer, sondern auch ein ebenso umsichtiger Förderer des Kunst- und Kulturlebens. Auf ihn geht beispielsweise das noch heute seinen Namen tragende Jagdschloß Moritzburg bei Dresden zurück, auch wenn dessen gegenwärtige bauliche Gestaltung vorwiegend dem Zeitalter August des Starken entstammt. Noch wesentlicher wurde der Kurfürst als Mäzen für das Musikleben seiner Haupt- und Residenzstadt Dresden. Besonders hervorzuheben ist die von ihm erfolgte Gründung der Dresdner Hofkapelle, deren Tradition bis in die Gegenwart die weltberühmte Dresdner Staatskapelle weiterführt. Diese musikalische Einrichtung trug zunächst den Namen "Hofkantorei" und besaß auch für die Geschichte des noch heute weithin bekannten Kreuzchores erhebliche Bedeutung. Kurfürst Moritz gab seiner Hofkantorei am 22. September 1548 - seinem Namenstag - ihr Grundgesetz in der "Hofkantoreiordnung" . Obwohl diese Urkunde schon sieben Jahre später unter seinem jüngeren Bruder und Nachfolger Kurfürst August von Sachsen durch eine neue Ordnung ersetzt wurde, ist diese Satzung von 1548 "unzweifelhaft das grundlegende Manifest gewesen, der blickhafte Niederschlag eines Staatsaktes, der auf weite Sicht eine feinfühlige willensstarke Kulturpolitik zum Ausdruck bringt" (Hans Schnoor). Von Johann Walter, den Moritz auf Veranlassung des Reformators Philipp Melanchthon 1526 als Hofmusiker nach Dresden berief, bis in unsere Gegenwart blieb die Dresdner Hof- und Staatskapelle ein wesentlicher Bestandteil deutschen und europäischen Kulturlebens.

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© L. Baseler
Das Moritz-Monument an der Brühlschen Terasse in Dresden

Erhebliche Bedeutung auch für die Entwicklung der sächsischen Volkswirtschaft besaß Kurfürst Moritz als Förderer des sächsischen und erzgebirgischen Bergbaues. Auf ihn gehen maßgeblich die Gründungen der Bergbaustädte Scheibenberg und Oberwiesenthal zurück. Unter seiner Regierung begann 1542 ferner die Nutzung der Steinkohlenflöze im Plauen'schen Grund bei Dresden. Moritz erteilte beispielsweise einer eigens zu diesem Zweck gegründeten Gesellschaft das Recht, Steinkohle vom Dorfe Plauen aus in Richtung Tharandter Wald Steinkohle abzubauen. In ähnlicher Weise förderte er auch den Steinkohlenbergbaus im Zwickauer Revier.

Unter seiner Regierung erlangten überdies der 1494 in Glauchau geborene Arzt und Mineraloge Georg Agricola, sowie der Rechenmeister Adam Ries überregionale Bedeutung.

im Kontext
Bericht von der Gedächtnisfeier zur 450jährigen Wiederkehr der Schlacht von Sievershausen.

Mit Recht können wir zusammenfassend Kurfürst Moritz als einen der bedeutendsten Vertreter des Hauses Wettin - Albertinische Linie bezeichnen. Durch ihn wurde vor allem die Großmachtstellung des wettinischen Kurstaates begründet. Diese erreichte bekanntlich ihren Höhepunkt im Zeitalter August des Starken und seines Sohnes Friedrich August II. zwischen 1697 und 1763; ihnen gelang es, den sächsischen Kurstaat mit seiner bedeutsamen Gewerbe- und Industrieentwicklung mit dem Agrarland Polen zu verbinden. Diese Personalunion kann daher mit vollem Recht als Vorläufer unserer modernen "Europäischen Union" bezeichnet werden.

München-Dresden, 15. November 2002

 

 
 
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