Seine Königliche Hoheit
Dr. Albert Prinz von Sachsen Herzog zu Sachsen

Das Wirken des Hauses Wittelsbach, gezeigt am Beispiel der Fürstengruft der Theatinerkirche in München



 
 

In der Theatinerkirche befindet sich unterhalb des Hochaltarraumes eine der großen Begräbnisstätten des Hauses Wittelsbach, in der markante Vertreter dieses Herrscherhauses ihre letzte Ruhestätte fanden. Zu erinnern ist vor allem daran, daß die Wittelsbacher im thüringischen Altenburg durch Kaiser Friedrich Barbarossa aus dem Hause der Hohenstaufen 1180 mit Bayern belehnt wurden.

Der Initiator dieser Grablege war der bayerische Kurfürst Max Emanuel (1662 - 1726), der in zweiter Ehe mit Therese Kunigunde, der Tochter König Johann Sobieskis von Polen und Vorgängers August des Starken verheiratet war. Er präsentierte sich besonders gegenüber den Türken und war gemeinsam mit Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen und Johann Sobieski am Entsatz Wiens 1683 beteiligt. Später nahm er an den kriegerischen Auseinandersetzungen um Spanien im Spanischen Erbfolgekrieg teil. Auch auf kulturellem Gebiet betätigte er sich als Auftraggeber für den Bau von Schloß Schleißheim bei München. Auf musikalischem Sektor und als Sammler von Meisterwerken künstlerischer Art machte sich Emanuel einen Namen.

Dieser Kurfürst starb am 26. Febr. 1726 in München und wurde in der von ihm errichteten Gruft der Theatinerkirche beigesetzt. Ebenfalls fand hier seine zweite Gemahlin Therese Kunigunde von Polen ihre letzte Ruhestätte. Ihr Vater König Johann Sobieski war - wie bereits erwähnt - der Vorgänger August des Starken als König von Polen. An diese Verbindung zwischen dem Hause Wittelsbach und Polen erinnert noch heute die Schlosskapelle von Nymphenburg, in der das bayerisch-polnische Allianzwappen angebracht ist. So erscheint es möglich, daß August der Starke und Max Emanuel in ihren politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bestrebungen durchaus ähnliche Interessen verfolgten. Das gilt vor allem für die engen Kontakte mit Polen.

Ebenfalls in der Theatinerkirche ist Max Emanuels Vater, Kurfürst Ferdinand Maria (1636 -1679) beigesetzt. Er besaß große Bedeutung als Förderer der barocken Kultur, wobei sein Hauptinteresse der Musik und dem Theaterleben galt. Auf ihn geht auch der markante Bau der Theatinerkirche zurück, die er errichten ließ, mit der Bitte an Gott, ihm einen männlichen Erben zu schenken. Die zweite Gemahlin Ferdinand Marias war Henriette Adelheid von Savoyen, die unmittelbar neben ihm beigesetzt ist. Auf ihre Initiative kamen Anregungen kultureller Art aus Italien - dem Ursprungsland der Barockkultur - nach Bayern, insbesondere nach München und Oberbayern.

Zu den bedeutendsten Vertretern des Hauses Wittelsbach zählte auch Kurfürst Karl Albrecht von Bayern, der als zweiter Repräsentant seines Hauses unter dem Namen Karl VII. römischdeutscher Kaiser war. Er vermählte sich 1722 mit Amalie Maria, einer Tochter Kaiser Joseph I. aus dem Hause Habsburg. Deren jüngere Schwester war Maria Josepha, die Gemahlin Kurfürst August II. von Sachsen, als König von Polen August III. Damit war Maria Josepha, die mit dem Wettiner Friedrich August seit 1719 verheiratet war, die Schwiegertochter August des Starken.

Fast seine gesamte Regierungszeit war Karl Albrecht in die kriegerischen Auseinandersetzungen um das Erbe der Habsburger im 18. Jh. verwickelt. Kur-Bayern war durch eine überaus lang andauernde Besatzungszeit der Österreicher in seiner politischen Rolle stark beeinträchtigt. Dennoch brachte Karl Albrecht großartige Leistungen auf dem Gebiet von Kultur und Wirtschaft hervor. Davon zeugt noch heute die Amalienburg im Park von Schloß Nymphenburg, die nach seiner Gemahlin Amalia Maria benannt ist. Auch als Förderer der Musik machte er sich einen Namen. Unter ihm waren Pietro Torri Giovanni Porta und Andrea Bernusconi als Vertreter der von ihm bevorzugten und beliebten italienischen Musik tätig. Auf wirtschaftlichem Gebiet machte er sich dadurch einen Namen, daß er 1726 das Verbot des Bierzwanges aufhob, wodurch die Hofmarksherren ihren Untertanen wieder Bier in beliebiger Qualität vorsetzen konnten.

Erwähnenswert erscheint noch, daß Karl Albrecht und Amalie Maria in der Fürstengruft der Theatinerkirche ihre letzte Ruhestätte fanden.

In der Fürstengruft der Theatinerkirche liegen ferner der bayerische Kurfürst Max III. Joseph (1727 - 1777) und seine Gemahlin Maria Anna von Sachsen-Polen. Beide vermählten sich 1747 in München. Zugleich heirateten der sächsische Kurfürst Friedrich Christian (1721 -1763) und Maria Antonia Walpurgis (1724 - 1780), die Schwester Max III. Joseph.

Diese in München am 9. Juli 1747 stattgefundene Doppelhochzeit beschreibt Prinz Adalbert von Bayern in seinem 1967 erschienenen Werk "Als die Residenz noch Residenz war" wie folgt:

"Beide Hochzeiten fanden am gleichen Tag, am 9. Juli 1747 statt. In München traute Johann Theodor, diesmal in der Michaelskirche. Der Zug zur Kirche fand in gewohnter feierlicher Weise statt. Der Kardinal fuhr in einem von sechs ,Hermelin' gezogenen Wagen von den Trabanten eskortiert. Nach der Trauung stimmte er selbst das Te Deum an, darauf Rückkehr in die Residenz. Um 2 Uhr war offene Tafel im Kaisersaal. Die Familie speiste an der Tafel und die Gäste an einer zweiten. Abends wurde die italienischen Oper ,La Verita' gegeben."

Am nächsten Tag war ein Familienessen bei Herzog Clemens Franz in der Maxburg mit einer beachtlichen Tafelmusik. Anschließend an dieses Essen wurde am Ende des Kanals in Nymphenburg ein Pferderennen abgehalten. Am folgenden dritten Tage wurde im Rahmen dieser Festlichkeiten wiederum im Kaisersaal der Residenz eine Bauernhochzeit veranstaltet, wobei das Kurfürstenpaar - als Wirtsleute verkleidet - die Gäste in bürgerlicher Nationalkleidung empfing. Alle Beteiligten waren mit Volkstrachten aus den verschiedenen Gegenden Bayerns bekleidet und fuhren von Nymphenburg aus auf mit Buchs- und Tannenzweigen geschmückten Bauernwagen in die Residenz. An der Spitze des Zuges führ ein Wagen, auf dem eine Bauernkapelle mit Bockpfeifern, Schalmeien, Bläsern und Geigern untergebracht war. Nach der im Kaisersaal abgehaltenen ländlichen Tafel führten Bauernburschen mit ihren Mädchen Volkstänze nach der Art der heute üblichen Schuhplattler vor.

Bemerkenswert erscheint, daß im Zuge dieser Hochzeitsfeierlichkeiten am 14. Juni 1747 in der Münchner Residenz die Oper "La Spartana Generosa" des Dresdner Hofkapellmeisters Johann Adolph Hasse uraufgeführt wurde. Zu dessen weit über Sachsen und Bayern reichenden Musikerkreis zählte auch die schon erwähnte sächsische Kurfürstin Maria Antonia, die älteste Schwester des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph. Auf musikalischem Gebiet weisen ihre Kompositionen auf Johann Adolph Hasse und den neapolitanischen Nicola Porpora hin.

Maria Antonia wurde vor allem durch 3 Kompositionen berühmt. Bei diesen handelte es sich zunächst um das 1754 erschienene Schäferspiel "II Triompho della Fedelta - Der Triumph der Treue", das auch unter dem Namen "Pastorla" aufscheint. 1756 ließ Maria Antonia 300 Exemplare ihrer Partitur im schon damals bekannten Leipziger Musikverlag Breitkopf drucken, wofür sie persönlich 889 Taler aufbrachte.

Entscheidend war dafür ihre engen Verbindungen zu Pietro Maetastasio (1698 -1782), der in der Musikgeschichte des 18. Jh. Als Librettist von Werken Wolfgang Amadeus Mozarts und Johann Adolph Hasses bekannt ist. Auffuhrungen dieser musikalischen Schöpfung Maria Antonias sind uns mehrfach bezeugt. Interessant ist die Tatsache, daß die Kurfürsten bei diesen Aufführungen persönlich mitwirkte. Ihr zweites Werk ist "Talestri Regina delle Amazoni", eine Oper, die aus Anlaß des Friedens von Hubertusburg bei Oschatz in unmittelbarer Nähe von Leipzig 1763 uraufgeführt wurde und von 16-20 Uhr dauerte. Schließlich ist noch als gemeinsames Werk der Kurfürsten mit Hasse das Oratorium "La Conversione di San Agostini - Die Bekehrung des Heiligen Augustinus" anzuführen. Dasselbe hatte 1750 in Dresden Premiere und wurde in späteren Jahren mehrfach wiederholt, so etwa 1778 in Trier, Wahrscheinlich auf Veranlassung ihres Schwagers, des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs Clemens Wenzeslaus (1739 - 1812).

Erwähnenswert sei ferner, daß anläßlich der Vermählung Maria Antonias mit Friedrich Christian im Sommer 1747 Christoph Willibald Gluck (1714 - 1787), der damals der Operntruppe der venezianischen Unternehmer Pietro und Angelo Mingotti angehörte und mit derselben in Dresden weilte, für die Gartenbühne des Schlosses Pillnitz bei Dresden die Serenade "Le nozze d'Ercole e d'Ebe" komponierte und unter seiner Stabführung der Öffentlichkeit zu Gehör brachte. Dafür erhielt er vom wettinischen Hof eine Belohnung von 400 Talern. Unter den Mitwirkenden befand sich auch die Sängerin Regina Mingotti, die durch die Vermittlung Maria Antonias und Porporas an das Hasse'sche Ensemble in der sächsischen Hauptstadt verpflichtet wurde und bis zu ihrem Weggang die Hauptrivalin von Hasses Gemahlin Faustina war. Nach künstlerischen Erfolgen starb diese Sängerin 1808 in Neuburg an der Donau.

Die Regierungszeit Max III. Joseph ist noch deswegen bedeutungsvoll, weil am 12. Oktober 1753 das Alte Residenztheater in München mit der Oper "Catone in Utica" von Giovanni Ferrandini nach einem Libretto von Pietro Maetastasio eröffnet wurde. Für unseren Zusammenhang ist dieses Theater noch deswegen bedeutsam, weil es mit dem Dresdner Zwinger und dem am 3. Sept. 1719 eröffneten Opernhaus in engster Beziehung steht. An den kurfürstlichen Bauherrn und seine sächsische Gemahlin erinnert noch heute das bayerischsächsisch-polnische Allianzwappen über der Bühne des Alten Residenztheaters, des heutigen Cuvilliestheaters. In demselben festlichen Rahmen erlebte femer Mozarts Oper "Idomeneo Re di Creta" am 29. Jan. 1781 auf Grund der Förderung durch den bayerischen Kurfürsten Carl Theodor (1724 - 1799) ihre festliche Uraufführung, nach dem schon am 13. Jan. 1775 im Redoutensaal an der Prannerstraße in München noch unter Max III. Joseph Mozarts Oper "La Finta Giardiniera - Die Gärtnerin aus Liebe" festliche Premiere hatte. Seither ist München ein geistiger Mittelpunkt zur Pflege des Werkes von Wolfgang Amadeus Mozart.

Wahrscheinlich auf eine Anregung der Kurfürstin Maria Anna von Bayern, deren Großvater Friedrich August I. - der Starke - bekanntlich die noch heute weltberühmte Meißner Porzellanmanufaktur 1710 gegründet hatte, rief deren Gemahl Max Joseph 1747 die Nymphenburger Porzellanmanufaktur ins Leben.

Über die Bedeutung der Verbindung Maria Annas für diese Porzellanerzeugungsstätte schreibt Rainer Rückert in seinem 1963 veröffentlichen Buch über Franz Anton Bustelli:

"Überdies hatte seine am 9. Juli 1747 geschlossene Ehe mit einer Enkelin August des Starken eine von Porzellan begeisterte Regentin an den Münchner Hof gebracht, der damals sehr umfangreiche Bestände an ostasiatischen und Meißner Porzellanen besaß. Ähnlich wie ihre beiden Schwestern scheint auch diese Tochter Friedrich Augusts von Sachsen in ihrem neuen Lebenskreis an der Gründung einer Porzellanmanufaktur Anteil gehabt zu haben."

Interessant ist auch die Tatsache, daß sich der Münchner Hof als Förderer der Meißner Porzellanmanufaktur betätigte. Davon leben vor allem die umfangreichen Porzellansammlungen des Münchner Residenzmuseums beredtes Zeugnis ab. Die reichen Porzellanschätze dieses Museums kamen als Brautgaben Maria Annas nach München, wie ich persönlich aus den Akten des Wittelsbachischen Hausarchivs entnehmen konnte.

Von besonderer Bedeutung sind auch die Tierplastiken aus Meißner Porzellan, deren Vorlagen Johann Joachim Kaendler in der Vogelfarm des Jagdschlosses Moritzburg bei Dresden oder im Dresdner Naturalienkabinett fand. Diese Porzellanplastiken, von denen auch das Residenzmuseum München interessante Beispiele besitzt, zeigen eine enge Verwandtschaft mit gleichartigen Schöpfungen des aus dem schweizerischen Kanton Tessin stammenden Münchner Porzellanmodelleurs Franz Anton Bustelli (1723 - 1763). Dieser zählte neben den Schöpfungen Kaendlers zu den bedeutendsten Herstellern von Porzellangruppen im 18. Jh. Inwieweit beide Künstler gegenseitige Verbindungen unterhielten, ist noch nicht ausreichend erforscht. Dasselbe gilt auch für Einzelheiten der Kontakte der Nymphenburger Porzellanmanufaktur zu Meißen.

Auch der erste bayerische König Max I. Joseph fand seine letzte Ruhestätte in der Fürstengruft der Theatinerkirche. Von 1799 bis Ende 1805 war er unter dem Namen Max IV. Joseph der letzte Kurfürst von Bayern. Am 1. Januar 1806 wurde er von Napoleons Gnaden König von Bayern und Mitglied des Rheinbundes. Max Joseph und sein Minister Montgelas gingen in die Geschichte Bayerns als Schöpfer eines modernen Staatsgebildes ein. Das Land vergrößerte sich erheblich durch Erwerbung neuer Territorien, vor allem in Franken und Schwaben. Die dynastischen Beziehungen zwischen dem Hause Wittelsbach und den Albertinischen Wettinern verstärkten sich durch zwei weitere Verbindungen mit der Linie Pfalz-Zweibrücken. So war seit 1774 der ältere Bruder von Max Joseph Herzog Karl II. August von Zweibrücken (1746 - 1795) mit Maria Amalia von Sachsen (1757-1831), einer Tochter des Kurfürsten Friedrich Christian und der Erzherzogin Maria Josepha von Österreich verheiratet.

Noch bedeutender war allerdings die Verbindung von Karls Augusts Schwester Maria Amalia Auguste mit dem sächsischen Kurfürsten und späteren König Friedrich August I. (1750 -1827), der in die Geschichte mit dem ehrenden Beinamen "der Gerechte" eingegangen ist. Die Hochzeit fand am 29. Jan. 1769 in Dresden statt. Damit stand Friedrich August zu beiden Linien des Hauses Wittelsbach in verwandtschaftlicher Beziehung und war zeitweise als Erbe der altbayerischen Wittelsbacher vorgesehen.

Für die europäische Entwicklung wurde König Otto von Griechenland bedeutungsvoll. Dieser übernahm 1835 als Wittelsbacher die Herrschaft im neu entstandenen Königreich Griechenland. 1837 gründete er eine neue Universität in Athen und bahnte die traditionelle Verbindung der orthodoxen Kirche von Griechenland mit dem Patriarchen von Konstantinopel erneut an. Bis 1862 regierte er als König und mußte dann als Folge einer Militärrevolte auf den griechischen thron verzichten. Nach seiner Abdankung nahm er gemeinsam mit seiner Gemahlin Amalie von Oldenburg den Sitz in der Residenz in Bamberg. Beide fanden ebenfalls in der Gruft der Theatinerkirche ihre letzte Ruhestätte. Noch heute ist der Sarkophag mit der griechischen Nationalflagge bedeckt und erinnert damit an die enge Verbindung Bayerns mit Griechenland, die sich noch heute in der Glyptothek am Königsplatz durch maßgebliche Ausstellungsstücke der hellenistischen Zeit des Altertums äußert. Diese sind Beweise dafür, daß Otto und sein Vater König Ludwig I. von Bayern der griechischen Kultur gegenüber durchaus aufgeschlossen waren.

In einer eigenen Grabkapelle auf der Epistelseite der Theatinerkirche liegen König Max II. von Bayern (1811 - 1864) und seine Gemahlin Marie Prinzessin von Preußen, mit der er seit 1842 glücklich verheiratet war. Ahnlich wie mein verehrter Ururgroßvater König Johann von Sachsen betätigte sich Max II. mit aktuellen Fragen der Zukunft Deutschlands und einer Reform des Deutschen Bundes, sowie mit der Problematik der damals so aktuellen Sozialen Frage.

Dazu schreibt der Münchner Historiker Hans Rall:

"In der Sozialen Frage bekämpfte er die Kinderarbeit auf dem Verordnungswege; als sich die Abgeordneten einem Gesetz dagegen versagten, schuf er aus eigenen Mitteln Arbeiterwohnungen in Nürnberg und bejahte die Selbstorganisation der Arbeiter, in dem er selbst Mitglied eines Maurer-Unterstützungs-Vereins wurde. Er sorgte auch für die Besserstellung der Volksschullehrer. Durch die bikonfessionellen Johannis-Vereine stellte er die sozialen Hilfsbemühungen auch auf christliche Grundlagen. Damit wollte König Max II. offenbar der Tendenz entgegenwirken, daß sich die Arbeiterschaft von der christlichen Basis abwandte und sich zu Ideen des Sozialismus bekehrte."

Mit dieser wichtigen Problematik beschäftigte sich in neuerer Zeit der Münchener Historiker und ehemalige Bundestagsabgeordnete Günther Müller in seiner Doktorarbeit "König Max II. und die 'Soziale Frage'".

Seine Gemahlin Marie von Preußen stand ihm in dieser Beziehung besonders nahe und unterstützte ihn aktiv in seinen Bestrebungen.

Auch in der Frage der Reform des Deutschen Bundes trat König Max II. von Bayern ähnlich wie sein sächsischer Vetter König Johann von Sachsen für eine Stärkung der deutschen Mittelstaaten ein und betonte vor allem die Eigenständigkeit Bayerns. Damit erwies er sich als ein besonders aktiver Verfechter des deutschen Föderalismus. Leider wurden diese Aktivitäten Bayerns und Sachsens zur Reform des Deutschen Bundes durch den Bruderkrieg 1866 unterbunden. Diese Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich führte als Folge der Schlacht von Königgrätz zu einem Ende des genannten Bundes und 1870/71 zur Gründung des Preußisch-Deutschen Reiches, das von Bismarck repräsentiert wurde.

Schließlich ist noch Prinzregent Luitpold von Bayern (1821 - 1912) anzuführen. Er übernahm die Regentschaft nach der Entmündigung König Ludwig II. 1886 und dessen ebenfalls regierungsunfähigen Bruders Otto. Bekannt wurde Luitpold vor allem dadurch, daß er die von Ludwig II. errichteten Königsschlösser von den drückenden Schulden befreite und diese der Öffentlichkeit zugänglich machte. Während seiner Regentenzeit erwies er sich als umsichtiger Förderer auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und erwarb sich dadurch eine große Popularität. Er fand seine letzte Ruhestätte in der Gruft der Theatinerkirche.

Diese populäre Richtung führte auch sein Sohn König Ludwig III. von Bayern, Kronprinz Rupprecht von Bayern (Grablege der Theatinerkirche), Herzog Albrecht von Bayern und dessen Sohn Herzog Franz von Bayern weiter.

Das Haus Wittelsbach ist für uns noch heute beispielgebend nicht nur durch seine bedeutsame Stellung in der bayerischen und deutschen Geschichte, sondern auch für seine einflussreiche Rolle in Europa insgesamt. Wenn wir daher gegenwärtig die europäische Zusammenarbeit anstreben, sollten wir daran denken, daß die Wittelsbacher die Habsburger, die Wettiner und die Hohenzollern entscheidende Beiträge zum Zustandekommen der europäischen Einigung geliefert haben. Daher sollten auch die Wittelsbacher auf kulturellem und wirtschaftlichen Gebiet gesehen in ihrer Bedeutung nicht verkannt werden.

Was wäre heute beispielsweise die Landeshauptstadt München ohne die bahnbrechenden Leistungen dieses Herrscherhauses auf den Gebieten von Kunst, Wissenschaft und Kultur?

 

München-Dresden
18./19.06.05

 

 
 

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